Wenn ich weit ausholen wollte, könnte ich anfangen zu erzählen, wie ich am 19. Dezember 1986 in Kiel als dritte Tochter im Bunde das Licht der Welt erblickte. Ich könnte von meinen ersten Erinnerungen erzählen, von meiner Schulzeit, meiner Familie und den vielen Dates und Beziehungen, die ich hatte – stets auf der Suche nach dem für mich perfekten Mann. Doch wenn ich tatsächlich so tief in der Vergangenheit graben würde, dann würde ich erst viel zu spät dort ankommen, wo ich eigentlich anfangen möchte – nämlich mit dem Abend, an dem Micha und ich uns kennenlernten. Über eine Dating-Website, Ende November 2006.

Über diese Seiten lernte ich damals viele Kerle kennen, mit denen ich mich dann irgendwann zum Date verabredete. Daraus entstanden kürzere und längere Beziehungen, Bekanntschaften und Freundschaften … oder auch mal gar nichts. Ich empfand Dating-Portale als praktisch und bequem, weil man dort in einer ganzen Kartei von Männern stöbern konnte. Das hatte schon fast etwas Bürokratisches. Außerdem war ich nicht das Mädchen, das abends loszug, in Bars und Discotheken feierte und selbstbewusst auf fremde Menschen zuging. Und ich schrieb schon immer lieber als dass ich redete. Das ist bis heute so. Deshalb kamen mir die diversen Dating-Websites damals ziemlich gelegen. Dabei stolperte ich dann eines Tages über Michas Profil. Und genau da beginnt unsere Geschichte.

Viel Spaß mit: MICHA & MARI – VON DAMALS BIS HEUTE: TEIL I

Michas und Maris Kennenlernen

Das erste Foto, das ich Micha von mir schickte

Es war Abend. Ich chattete mit Freunden und stöberte nebenbei im Internet. Irgendwann landete ich dann wieder auf der Dating-Website, auf der mir schon nach kurzer Zeit ein neues und zugleich ziemlich ansprechendes Profil entgegensprang. Der Kerl auf dem Bild sah hübsch und sympathisch aus. Außerdem hatte er sein Profil mit einem freundlichen Vorstellungstext gefüllt, “machte etwas mit Medien” und wohnte in Bremen. Auf den ersten Blick sprach also alles für diesen Kerl. Die meisten anderen Typen, die auf diesen Websites unterwegs waren, nahmen sich nämlich nicht mal die Zeit, ihr Profil ordentlich zu füllen. Oder sie kamen von überall, aber nicht aus der Nähe.

Ich dachte einen kurzen Moment nach, zögerte schließlich nicht länger und schrieb Micha an.

Und er schrieb zurück.

Daraufhin begann ein schriftlicher Smalltalk. Wir stellten uns einander vor, schrieben übere unsere Hobbys, unseren Alltag, unsere Studiengängen u.v.m. Das Gespräch lief gut, was schon mal ein gutes Zeichen war. Denn wenn man sich schon nach kurzer Zeit nichts mehr zu schreiben weiß, kann man das ganze Projekt direkt beenden. Das war bei Micha und mir aber nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Wir schrieben und schrieben und schrieben. Ich erzählte, warum ich auf Dating-Websites unterwegs war, Micha erzählte, warum er sich (kostenpflichtig) dort angemeldet hatte. Ich erfuhr, dass er im Grunde nur nebenbei “etwas mit Medien” (… so war die Berufsbezeichnung, die man auf der Website in exakt diesem Wortlaut auswählen konnte …) machte und eigentlich Schifffahrt studierte. Ich erzählte, dass ich hauptsächlich etwas mit Medien machte und mir eigentlich genau dieser Punkt an seinem Profil so gut gefallen hatte.

Beim Thema Schifffahrt musste ich etwas schlucken, weil ich wusste, was das Ganze für eine mögliche gemeinsame Zukunft bedeutete, und mir eigentlich sicher war, dass dieser Aspekt im Grunde all meinen Vorstellungen von einem Traumpartner widersprach. Allerdings verlief unser Chatgespräch so gut, dass ich über diese Tatsache hinwegsah.

Irgendwann wechselten wir vom Website-Chat zu ICQ und tauschten weitere Bilder aus. Wir schrieben und schrieben und schrieben. Stundenlang. Es war bereits mitten in der Nacht, als wir uns dafür entschieden, kurz zu telefonieren. Denn wir waren neugierig, wie die Stimme des jeweils anderen klang.

Doch aus dem geplant kurzen Telefonat wurde eines, das bis zum nächsten Morgen andauerte. Kurz und knapp: Es hatte gefunkt. Zumindest über die Telefon- und Internetleitung. Wir verstanden uns, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir hatten viele Gemeinsamkeiten, ähnliche Ansichten, gleiche Hobbys und Interessen, ähnliche Ziele. Es war einfach unglaublich!

***

Auf das Telefonat folgten weitere. Wir begannen regelmäßig zu skypen und trafen uns zum ersten Mal am 5.12.2006. An diesem Tag beschloss Micha, mich in Kiel zu besuchen. Wir trafen uns in der Innenstadt und begegneten uns zum ersten Mal persönlich. Von Antlitz zu Antlitz.

Ich war ziemlich schüchtern. So viel wir vorab auch miteinander telefoniert und geschrieben hatten, umso weniger Worte brachte ich bei unserem ersten Treffen über die Lippen. Deshalb unterhielten wir uns kurz und recht oberflächlich und fuhren anschließend zu mir nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich für eine Weile bei meinen Eltern gewohnt.

Nach kurzen Gesprächsfetzen folgten Taten: Küsse und körperliche Annährungen (… die sich dennoch in Grenzen hielten!). Von diesem Tag an waren wir ein Paar. Das stand unausgesprochen fest. Über die Entfernung zwischen Bremen und Kiel waren wir uns durchaus bewusst, wollten unsere besondere Beziehung zueinander aber nicht daran scheitern lassen. Da gab es nämlich etwas zwischen uns. Etwas, das uns beide faszinierte. Vom ersten Moment an.

Fortan telefonierten, skypten und chatteten wir regelmäßig. Doch da wir einander recht schnell vermissten, packte ich an einem freien Wochenende (… ich jobbte nämlich neben dem Studium bei McDonalds) meine Sachen und fuhr Richtung Elsfleth. Micha hatte mich nämlich dazu eingeladen, ihn zum Weihnachtsball seiner Fachhochschule zu begleiten.

Michas und Maris Kennenlernen (4)

Skype-Gespräch von Micha und mir

Micha lebte in einer klassischen Studentenbude: wenig strukturiert, chaotisch und mit allerhand Kram gefüllt, die sich nur Singlemänner zulegen würden – Zubehör und Accessoires für unzählige verschiedene Hobbys, … weil ja dies und jenes irgendwann mal ganz interessant war. Ein großer Wäscheberg hinter der Tür zum Schlafzimmer- verstaut in einem Seesack (… als ob ich das nicht merken würde …), einer kleinen Küchenzeile, ein paar Pflanzen und – extra für mich – provisorisch aufgeräumten Zimmern.

Kurz und knapp: Er wohnte in seinen eigenen vier Wänden, in denen ich mich vom ersten Moment an wohlfühlte.

Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen und schlenderten abends – zusammen mit ein paar seiner Studentenfreunden – zum Weihnachtsball. Dort tranken, rauchten, quatschten, lachten und feierten wir. Wir hatten eine Menge Spaß und verbrachten anschließend unsere erste gemeinsam Nacht zusammen.

Michas und Maris Kennenlernen (7)

Fachhochschule Elsfleth: Weihnachtsball 2006

Ich blieb für zwei Tage im Elsflether Studentenviertel. Micha und wirkten nicht wie frisch verliebt oder frisch zusammen, sondern wie ziemlich beste Freunde, die jede Menge Spaß zusammen hatten.

***

Der Dezember war unser Monat. Wir backten zusammen, trafen uns regelmäßig, gingen zusammen aus, feierten meinen Geburtstag und starteten gemeinsam ins neue Jahr. Und genauso gut wie wir uns von Anfang an verstanden, genauso gut konnten wir von Anfang an miteinander zanken. Vermutlich ziemlich unvorstellbar für die meisten unter euch, die ihre erste Zeit als Paar anders erlebt haben. Doch Micha und ich – wir tickten schon immer speziell, jeder auf seine individuelle Art und Weise.

Michas und Maris Kennenlernen (5)

In Michas Wohnung in Elsfleth

Erstes Treffen

In Michas Wohnung in Elsfleth

Michas und Maris Kennenlernen (3)

In Kiel

Michas und Maris Kennenlernen (2)

Silvester 2006 in Kiel

Ehrlich gesagt kann ich mich nur recht verschwommen an diese erste gemeinsame Zeit erinnern. Ich weiß aber noch ziemlich genau, dass es einige Situationen gab, in denen ich an Michas Verstand zweifelte und einige, in denen es umgekehrt war.

Es gab da zum Beispiel diese eine Szene, in der Michas fülliger Kommilitone zu uns herüberkam und Micha bat, ein bestimmtes Stück am Klavier zu spielen. Das tat Micha gern, woraufhin der Kerl in selbstbewusster Art und Weise einen Liebessong brummte und anschließend vorschlug, das Klavier in seinen VW-Bus zu laden und gemeinsam mit Micha nach Frankreich zu fahren. Dort wollte er zu seiner Exfreundin und ihr mit Michas Hilfe dieses spezielle Ständchen vortragen. Micha fand die Idee super, während ich mit ungläubig verzerrter Miene daneben stand.

***

Gleichzeitig hatte es Micha nicht einfach mit mir – vor allem am Anfang. Ich brachte nämlich einen komplizierten, durch familiäre Probleme ziemlich verzerrten Charakter mit. Man merkte mir meine Vergangenheit nicht unentwegt an, aber sie brach dennoch oft genug durch meine Fassade und machte es Micha nicht immer leicht.

Im Grunde waren wir ein recht ungewöhnliches Paar. In den meisten Punkten tickten wir ähnlich, in anderen vollkommen unterschiedlich. Wir liebten den Charakter des jeweils anderen, konnten aber gewisse Gedanken nicht nachempfinden. Wir konnte nicht immer miteinander, aber erst recht nicht ohneeinander. Von Anfang an lebten wir keine 08/15-Beziehung. Teilweise glich unsere Beziehung eher einer gegenseitigen Bewährungsprobe, bei der wir gewissen Dingen standhalten mussten. Das galt sowohl für mich als auch für Micha. Aus heutiger Sicht bin ich mir aber sicher, dass Micha den schwierigeren Part hatte. Ich war ziemlich kompliziert, undurchschaubar, perfektionistisch, eigenartig und individuell. Doch Micha ließ sich nicht davon abbringen, mich zu lieben. Stattdessen zog er mich mit unglaublich viel Liebe aus dem psychischen Morast, in dem ich bis dahin über Jahre festgesteckt hatte. Das schätze ich bis heute an ihm.

Michas und Maris Kennenlernen (6)

Fachhochschule Elsfleth: Weihnachtsball 2006

Doch das war erst der Anfang. In den darauffolgenden Jahren folgten weitere Höhen und Tiefen. Micha und ich erlebten unfassbar viel zusammen! Wer hätte damals gedacht, dass wir irgendwann zusammen arbeiten würden – als Team, als Paar, als Eltern und Kollegen, … dass wir überhaupt verheiratet sein und dreimal Eltern werden würden, … dass wir in einem wunderschönen Haus mit großem Garten leben würden?

Wir nicht. So viel steht fest. Denn es war ein harter und steiniger Weg bis heute. Und von diesem werde ich euch fortan nach und nach – Post für Post – erzählen. Ich dürft also gespannt sein!

Im nächsten Teil erfahrt ihr von unserem ersten gemeinsamen Job und unserer gemeinsamen Wohnungssuche!

Eure Mari =)