Einige unter euch sind bereits Mama/Papa, einige haben ein Kind, andere mehrere Kinder. Einige unter euch warten vielleicht gerade auf ihr erstes Wunder, andere auf ihr zweites oder ihr drittes. Und wiederum andere lassen sich mit dieser Lebensaufgabe noch etwas Zeit. Und natürlich gibt es auch einige, die sich bewusst gegen ein eigenes Kind entscheiden.

Wie dem auch sei: Bevor man ein Kind bekommt, ist man ein Paar. Meistens jedenfalls. Manchmal entscheidet man sich bewusst für ein Kind, manchmal passiert das Ganze zufällig und/oder völlig ungeplant. So oder so beginnt mit dem positiven Schwangerschaftstest ein neuer Lebensabschnitt. Nicht nur für die (werdende) Mama, sondern auch für den (werdenden) Papa. Plötzlich lernt man Verantwortung kennen – für das kleine Wesen, das da im Bauch heranwächst. Man wird mit Ängsten und Sorgen konfrontiert und auch mit großen Herausforderungen. Und von Tag zu Tag und Monat zu Monat stellt man sich viele Fragen: Wie wird das Leben mit Kind sein? Wie wird sich die Partnerschaft verändern? Wie wird man die Veränderungen finanziell stemmen? Was, wenn das Kind nicht gesund ist? Was, wenn die Geburt Komplikationen mit sich bringt? Was, wenn der Platz in den eigenen vier Wänden kaum reicht?

… Und genau dieses Gedankenchaos wiederholt sich natürlich bei weiteren (geplanten) Kindern. Auch wenn man sich jedes Kind von Herzen wünscht: Die Dominokette an Fragen wird immer wieder neu angestoßen. So richtig weiß man eigentlich nie, was auf einen zukommt und wohin sich das weitere Leben entwickeln wird.

Ich finde, dass vor allem die Partnerschaft bei alledem eine wichtige Rolle spielt. Sobald man schwanger ist, ist man viel emotionaler und sehnt sich nach mehr Verständnis und Geborgenheit. Außerdem hat man zwischendurch Phasen voller Angst, dass etwas passieren könnte – erst recht, wenn es wirklich Komplikationen während der Schwangerschaft gibt. In solchen Momenten braucht man dann einen starken Partner an seiner Seite. Und gute Freunde. Eigentlich beides.

Paar wird Eltern (8)

Als ich mit Lilli (… und damit mit unserem ersten Kind) schwanger war, wäre ich ohne Micha völlig verzweifelt gewesen. Drei Monate Krankenhaus mit täglicher Sorge um das Baby. Kein richtiger „Abschied“ vom alten Leben, … eher ein bisschen Gefängnis ohne Privatsphäre. In dieser schwierigen Zeit hat Micha mich jeden Tag besucht und abgelenkt. Auch nach der Geburt, als alles noch viel schwieriger für mich wurde.

Während dieser Schwangerschaft habe ich neben vielen anderen werdenden Müttern gelegen. Auch neben welchen, die fast nie Besuch bekamen. Diese Frauen haben sehr oft geweint und waren teilweise richtig in sich gekehrt. Man hat einfach gemerkt, wie einsam sie sich fühlten.

Aber ich komme vom Thema ab.

Eigentlich möchte ich nur erzählen, dass eine Partnerschaft sich oft schon im Zuge einer Schwangerschaft verändert. Die Prioritäten werden anders gesetzt, das Leben auf den Kopf gestellt. Die neue Verantwortung kann belastend sein und dann spielt auch noch der Hormonhaushalt verrückt.

Paar wird Eltern (9)

Nach der Geburt – explizit beim ersten Kind, aber auch bei allen weiteren Kindern – geht es dann weiter: Frau fühlt sich (eventuell) unwohl mit unförmigen Brüsten, Narben und/oder Streifen auf dem Bauch, den zusätzlichen Kilos auf den Hüften, dem Wochenbett, den Hormonen, dem Haarausfall, brüchigen Fingernägeln, unreiner Haut u.v.m.

Das Ganze wird dann getoppt durch Schlafmangel. Und richtiger Schlafmangel verändert jeden Menschen. Das wiederum kann zu echten Konflikten führen. Plötzlich führen Kleinigkeiten zu großen Auseinandersetzungen und man erkennt sich und den Partner kaum wieder. Und nebenbei ist da das schreiende Baby, das sich einfach nicht beruhigen will und ggf. noch Geschwisterkinder, die Aufmerksamkeit und Zeit brauchen und diese auch verlangen.

Paar wird Eltern (5)

Paar wird Eltern (3)

Ich habe mit unzähligen Frauen über dieses Thema gesprochen und bin zu dem „Ergebnis“ gekommen, dass selbst die besten Beziehungen, … also die Paare, die sich nie stritten, nach der Geburt miteinander zu streiten anfangen. Ein Baby ist also eine echte Bewährungsprobe für die Beziehung.

Doch gleichzeitig schweißen einen diese Probe und all die Streitigkeiten und Grenzerfahrungen (… mal übertrieben ausgedrückt) ungemein zusammen. Man versteht ja eigentlich auch, wie der andere sich fühlt und warum er sich wann wie verhält. Denn man empfindet ja genauso.

Außerdem muss man das Baby gemeinsam großziehen. Der eine trägt durch viel Zeit und schlaflose Nächte dazu bei, der andere (neben Liebe und Nähe) durch seinen Job samt Gehalt. Man wird also zum Team, schon fast zu Kollegen mit echter Aufgabenverteilung. Und zu besten Freunden, die sich täglich neue (lustige) Geschichten erzählen können. Und zu Eltern, die sich eine große Verantwortung teilen. Und irgendwo ist man natürlich auch noch immer ein Paar. Ein Paar, das Zeit füreinander braucht. Ein Filmabend bei Popcorn und Chips, ein Spaziergang ohne Babygeschrei, Gespräche über Ängste, Sorgen und Träume des jeweils anderen und natürlich Sex. Doch irgendwie bleibt das alles auf der Strecke. Bei den meisten zumindest. Je mehr Kinder, umso stärker. Je weniger Unterstützung vor Ort, umso mehr.

Paar wird Eltern (6)

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Paar wird Eltern (7)

Wir sind es „gewohnt“, alles allein zu stemmen: schwierige Schwangerschaften, Geburten und das Leben mit einem Kind als auch mit zwei und drei Kindern, … mit jeder Menge Arbeit, Umzügen und Hausbau.

Wir hatten nie Großeltern, Tanten oder Geschwister vor Ort. Und auch keine Freunde, die nicht selbst genug zu tun haben. Deshalb konnten und können wir unsere Kinder nie woanders unterbringen. Aber das ist auch völlig in Ordnung, denn man wächst mit seinen Aufgaben. Das ist wirklich wahr.

Ich denke, genau dieses Leben, das wir uns selbst so ausgesucht und gewünscht haben, hat uns so stark gemacht. Denn was immer wir auch (durch)machen und unternehmen, irgendwie stemmen wir das immer zu fünft. Gemeinsam. Als Familie.

Paar wird Eltern (2)

Die Beziehung bleibt trotzdem auf der Strecke. Denn neben dem Haushalt, dem riesigen Berg täglicher Bürokratie, dem Garten, der noch viel Zeit und Arbeit fordert, drei Kindern, Einkäufen, einer Menge Arbeit und natürlich Freunden bleibt einfach kaum Zeit über.

Abends arbeiten wir dann das ab, was wir tagsüber mit den Kindern nicht geschafft haben. Auch Haushaltsdinge und Papierkram und natürlich die normale Arbeit. Und wenn wir mal nichts machen, bevorzugen wir es, nebeneinander zu sitzen und stupide fernzusehen. Einfach mal nichts zu tun. Miteinander über Gott und die Welt zu reden, geschweige denn „mehr“ miteinander zu machen, wird dann wirklich hinten angestellt.

Paar wird Eltern (10)

Micha und ich empfinden es beide als großes Glück, drei so wundervolle Kinder zu haben. Wir denken ja sogar über ein viertes nach. Und hey, wenn das nicht Beweis genug ist, dass wir eigentlich ziemlich glücklich sind! =)

Klar, es gibt Dinge, die hinten an stehen, aber auch viele Dinge, die derart in den Vordergrund gerückt sind, dass sie uns unendlich mit Glück und Liebe erfüllen. Micha und ich haben, bevor wir Eltern waren, nicht ansatzweise so viel erlebt wie mit Kindern. Wir sind Freunde, Eltern und ein Paar. Wir können uns manchmal nicht ausstehen, können aber auch nicht ohne einander.

Es ist schwierig, neben einem Baby oder mehreren Kindern auch ein Paar zu bleiben. Daran muss man arbeiten. Aber selbst wenn man daran arbeiten möchte, fehlt es oft an Zeit und an Kraft und an Nerven. Micha und ich sind uns trotzdem einig: Wir würden zweifellos alles genauso machen, wie wir es bisher gemacht haben. Immer wieder. Und wir sind glücklich, wenn auch oft ziemlich geschafft vom Alltag. Glücklich als Eltern und als Paar, auch wenn die Elternseite momentan mehr im Vordergrund steht.

Paar wird Eltern (4)

Ich weiß, dass dieses Thema nicht besonders einfach ist. Es ist ein bisschen wie mit dem Abnehmen. Eigentlich weiß man, dass man ein bisschen mehr für seine Traumfigur tun müsste, aber irgendwie schafft man es nicht. Aus fehlender Kraft, fehlender Zeit und zu schwachen Nerven. So ähnlich ist das auch mit der Beziehung. Eigentlich weiß man ganz genau, dass man ein bisschen mehr für diesen wichtigen Bestandteil investieren müsste, aber irgendwie hakt es dann doch an der einen oder anderen Stelle.

Wisst ihr, wie ich das meine?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen zu diesem (heiklen) Thema!

Alles Liebe,

eure Mari