Mit Kindern gleicht kein Tag dem anderen, obwohl sich gewisse Dinge im Grundsatz dennoch wiederholen. Das Leben mit Kindern ist turbulent, verrückt, schwer und meist nicht planbar, aber trotzdem unbeschreiblich schön. All diese Farben und diese Facetten, die die Mäuse in unser Leben bringen, möchten wir nie wieder missen.

Vor einer Weile starteten wir daher mit euch eine kleine Reise durch unseren Familienalltag – und zwar etwas detaillierter, als wir es euch bisher auf unserem YouTube-Kanal gezeigt haben. Im ersten Teil unserer Mini-Serie gaben wir euch überspitzte Alltagsabläufe aus unserem späten Abend und vor allem dem folgenden Morgen preis. Falls ihr „Teil 1“ noch nicht kennt, seid ihr natürlich herzlich dazu eingeladen, den entsprechenden Blogpost noch einmal zu lesen:

Familienchaos: Einblicke in unseren Familienalltag – Teil 1

In „Teil 1“ versprachen wir euch auch eine Fortsetzung, und hier kommt sie nun! =)

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Der Termin mit meinem Gast und ihrem Kamerateam verläuft ereignislos. Geduldig beantworte ich ihre Fragen, lasse ihr Team filmen und fotografieren und höre ihr zu. Im Hintergrund nehme ich wahr, dass mein Handy, das in der Küche liegt, ein paar Mal vibriert. Am Rhythmus erkenne ich, dass mir jemand per Messenger etwas schickt. Vibration, Pause. Vibration, Pause. So ein Mensch bin ich übrigens auch, muss ich gestehen. Einen Satz oder ein Wort schreiben, abschicken, schreiben, abschicken. Dies endet in der Regel so, dass der Empfänger 22 Nachrichten mit einzelnen Wörtern oder kleinen Sätzen erhält.

Jetzt, wo ich in diesem wichtigen Gespräch sitze, fällt mir zum ersten Mal auf, dass das wirklich nerven kann. Wobei es natürlich meine Schuld ist, da ich das Handy ja lautlos hätte stellen können. Mit einer kurzen Entschuldigung gehe ich also in die Küche, um die lästige Ablenkung auszustellen. In diesem Zuge werfe ich einen Blick auf die Küchenuhr und erschrecke ein wenig über die schon erreichte Uhrzeit. Eigentlich war mein Besuch nur für eine bestimme Zeit eingeplant, es stehen schließlich noch weitere wichtige Dinge an, bis die Kinder nach Hause kommen. Mit einer leichten inneren Unruhe setze ich mich wieder ins Wohnzimmer und beantworte weitere Fragen.

Gefühlt kommen wir nur im Schneckentempo voran, sodass ich langsam hektisch werde. Das Ticken der Küchenuhr kommt mir inzwischen so laut vor wie eine tickende Zeitbombe, und immer wieder schaue ich verstohlen auf die digitale Uhr im Wohnzimmer. Offenbar nicht verstohlen genug, denn mein Gast bemerkt es und schaut nun selbst auf die Uhr. Glücklicherweise bekommt sie selbst einen Schreck und drängt auf ein baldiges Ende, da auch sie noch weitere Termine wahrzunehmen hat. Mit einem Verzug einer Dreiviertelstunde beenden wir das Interview und ich verabschiede sie und ihr Team.

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Vor mir liegt mein Terminplaner im gefühlten DIN A1-Format, voll mit Farben (nach Priorität und Familienmitglied), Gekritzel (Herrlich, wenn man seine eigene Schrift nicht mehr entziffern kann!), Uhrzeiten und Randnotizen. Natürlich könnte ich den Terminkalender meines Handys benutzen, aber das käme dem Versuch gleich, ein Lexikon in einen Geburtstagskalender zu quetschen. Außerdem nutze ich mein Handy ohnehin wenig. Ein Abgleich zwischen den anstehenden Terminen und der Uhr zeigt mir, dass ich aufgrund der Verzögerung zwei Dinge in den Abend schieben muss, eine andere Angelegenheit muss allerdings sofort erledigt werden, da ich dem Kooperationspartner eine fixe Zusage gemacht habe.

Gerade als ich mich darum kümmern möchte, höre ich, wie ein Auto in die Auffahrt fährt. Merkwürdig. Micha hat eigentlich noch einige externe Dinge zu erledigen, auf Besuch warte ich nicht und der Postbote kommt um diese Zeit nie. Der Schlüssel, der sich kurz darauf im Schlüsselloch dreht, zeigt jedoch, dass es sich doch um Micha handelt – mit einem ziemlich blassen Tom auf dem Arm. Verwundert schaue ich die beiden an und frage, was los ist. Ob ich denn mein Handy nicht gehört hätte, fragt Micha. Er und der Kindergarten hätten versucht, mich anzurufen. Tom sei quengelig und habe über Bauchweh geklagt. Das Handy, oh nein! Da war ja was…

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In meinem Kopf fängt es an zu rattern: Tom krank, Termindruck, Micha muss wieder los, Haushalt, Kinder kommen bald nach Hause, Hausaufgaben, Kinderarzt(?), Nachmittagsplanung…

Puh! Ruhig bleiben, durchatmen, danach noch einmal in geordneter Reihenfolge nachdenken und zuletzt eine Lösung finden. Das Wort „Haushalt“ streiche ich erst einmal, der kann wirklich warten. Zum Kinderarzt wegen Bauchweh? Nein, eher nicht. Zumindest noch nicht. Die Planung für den Nachmittag wird umgestaltet, die Hausaufgaben können wir später gemeinsam erledigen. Zunächst müssen wir uns um den kränkelnden Tom kümmern. Da Micha seinen letzten Auswärtstermin nicht verschieben kann, beschließe ich, dem Kooperationspartner eine Mail zu schicken und entschuldigend um einen Tag Aufschub zu bitten.

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Kaum hat Micha das Haus verlassen, da klagt Tom über Übelkeit. Oh nein, denke ich und ahne Böses. Vorsichtshalber lege ich schon die Einweghandschuhe sowie das Desinfektionsmittel bereit, denn inzwischen bin ich ziemlich sicher, dass Tom sich einen Magen-Darm-Infekt eingefangen hat. Dies wird mir unglücklicherweise bereits kurze Zeit später mehr als deutlich bestätigt. Noch während ich Tom mit einem Körnerkissen versorge, ihm Wasser und Banane hinstelle, rufe ich Micha an und bitte ihn, noch ein paar Dinge einzukaufen, darunter vor allem Salzstangen und Zwieback.

Die nächste halbe Stunde verbringen Tom und ich auf der Toilette, danach ist der kleine Kerl so kaputt, dass er fast augenblicklich in seinem Bett einschläft. Die Flasche Desinfektionsspray ist zur Hälfte leer, als ich endlich fertig mit Saubermachen bin. Noch einmal rufe ich Micha an und bitte ihn, mindestens eine Palette davon mitzubringen. Am liebsten würde ich mich komplett mit einem Labor-Schutzkittel vermummen, um der bevorstehenden Kontaminierung zu entgehen. Denn ich gehöre leider zu den Personen, die dieses Virus nur ansehen müssen, um sich anzustecken. Hoffen wir dieses Mal das Beste!

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Tom schläft immer noch, als Lilli und Lotte am frühen Nachmittag nach Hause kommen. Beide sind gut gelaunt, Lotte ein wenig zu gut. Bevor ich sie wegen Tom um Ruhe bitten kann, bekommt sie ihre wilden fünf Minuten, wirft ihren Ranzen in die Ecke, hüpft die ersten beiden Treppenstufen hoch und runter und jauchzt in einer Frequenz, wie sie nur Kinder erreichen können. Lilli murrt ein wenig und grummelt, während sie sich an Lotte vorbei Richtung Küche drängelt. Sie hat Hunger und zwar ziemlichen.

Mein „Psssst, Lotte, bitte nicht ganz so laut!“ hört Lotte übrigens bewusst nicht. Es ist schon erstaunlich, wie gut Kinderohren funktionieren können, wenn sie etwas hören möchten, und wie offensichtlich taub sie wiederum werden, wenn sie etwas nicht hören wollen. Also schiebe ich Lotte Richtung Küche und frage die beiden, was sie essen möchten. Gerade möchte ich ihnen etwas Obst schneiden, da höre ich Tom von oben nach mir rufen. Lilli sieht mich fragend an, ich rufe ihr zu, dass Tom spuckt und deshalb schon zu Hause ist, während ich die Treppe hocheile. Vage höre ich, dass sich die Mädchen Bretter und Messer holen, um sich ihr Obst selbst zu schneiden. Meine lieben, süßen Mädels!

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Tom ist in der Zwischenzeit wieder ins Badezimmer gerannt. Dieses kleine Häufchen Elend – es bricht mir fast das Herz… Nach der zweiten größeren Attacke schafft er es zumindest, ein wenig Wasser zu trinken. Kurzerhand nehme ich ihn auf den Arm und trage ihn auf die Couch im Wohnzimmer, decke ihn zu und setze mich zu ihm. Seine Schwestern kommen wenige Minuten danach zu uns und kümmern sich sofort liebevoll um ihn. Lotte bringt ihm Toastbrot und streichelt ihn, Lilli holt ein Buch und guckt es sich mit ihm an. Obgleich die drei regelmäßig miteinander streiten, so zeigt sich besonders in solchen Momenten, wie lieb sie sich haben. Da mir bei diesem Anblick ganz warm ums Herz wird, küsse ich alle drei auf den Kopf und sage ihnen, wie stolz ich auf sie bin.

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Als es klingelt, lasse ich die Kinder kurz allein. Vor der Tür steht der Postbote, zumindest gehe ich davon aus, denn ich sehe nur einen Turm aus Paketen und zwei Hände, die versuchen, diesen in einer aufrechten Position zu halten. „Kleine Lieferung für Familie Hart“, höre ich jemanden hinter dem Turm sagen. Die Spitze in seinem Ton entgeht mir zwar nicht, aber ich nehme es mit Humor. Und er hat ja Recht, denn mittlerweile ist er bei uns fast Stammgast. Also unterschreibe ich, bugsiere die Kartons in den Flur und stelle fest, dass danach nicht mehr so wirklich viel Platz für einen Durchgang ist.

Gerade will ich die Kartons stapeln, da höre ich Lotte aufgeregt rufen, dass Tom schon wieder spucken muss. In letzter Sekunde schaffen wir es ins Badezimmer, sodass ich Tom danach vorsichtshalber eine Schüssel neben die Couch stelle. Abermals desinfiziere ich alles und sage den Mädels, dass sie jetzt ganz besonders auf Hygiene achten müssen, um sich nicht anzustecken. Noch während ich mir selbst eine gefühlte Ewigkeit die Hände wasche, höre ich wieder den Haustürschlüssel. Und dann ein „Aua, Mist! Was ist das denn hier?“. Oh je, die Kartons… Fluchend bahnt Micha sich einen Weg hindurch Richtung Küche, voll bepackt mit Einkaufskiste und -tüten. Lotte und Lilli kichern, ich blicke Micha entschuldigend an.

SBK Haushaltshilfe 3

Lotte hängt sofort an Michas Bein und möchte toben, Lilli schüttelt verständnislos und dabei plötzlich ziemlich erwachsen wirkend den Kopf und gesellt sich wieder zu Tom – ganz die große Schwester. Obwohl Micha Lotte eindringlich erklärt, dass er jetzt erst einmal den Einkauf ausräumen muss, lässt sie sich nicht abschütteln, und Micha, eben ganz der Papa, lässt sich schließlich doch erweichen und tobt eine Runde mit ihr. Lilli fragt, ob sie und Tom kurz fernsehen dürfen, was ich ausnahmsweise bejahe, um wenigstens den Einkauf aus- bzw. einräumen zu können.

Da ich am Nachmittag zusammen mit den Kindern noch einen neuen Kuchen für den Blog backen möchte, lasse ich ein paar der eingekauften Dinge draußen stehen. Danach bringe ich Tom den Zwieback und ein paar Salzbrezel, von denen er nun immerhin zwei Stück isst.

Micha springt inzwischen draußen mit Lotte auf dem Trampolin herum, als es wieder klingelt. Eine Freundin von Lilli, die zum Spielen vorbeikommt. Aufgrund des Virus in unserem Haus bitte ich sie, direkt in den Garten zu gehen, danach sage ich Lilli Bescheid, die sofort zu ihrer Freundin läuft. Nach einem kurzen Blick auf Tom, der noch immer fernsieht, stelle ich den Kindern etwas zum Trinken und ein paar Kekse raus. Da fällt mir plötzlich ein, dass wir bisher völlig vergessen haben, die Kaninchen zu füttern. Also erledige ich das schnell, bevor ich wieder zu Tom gehe. Der ist inzwischen wieder eingeschlafen, sodass ich den Fernseher ausschalte und etwas aufräume.

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Irgendwie fällt mir auf, dass es draußen verhältnismäßig laut ist, also schaue ich noch einmal in den Garten und verstehe die Welt nicht mehr. Woher kommen nur immer plötzlich diese ganzen Kinder? Die ursprünglichen drei haben sich binnen weniger Minuten einfach mal verdoppelt. Ein Phänomen, das ich mir wohl nie werde erklären können. Also stelle ich mehr Getränke und weitere Kekse auf den Tisch, um mich anschließend wieder ein wenig dem Haushalt zu widmen, während Micha die „freie Zeit“ für Gartenarbeit nutzt.

Am späten Nachmittag, nachdem die Kinderschar weg ist und die Hausaufgaben erledigt sind, kann ich endlich mit den Mädchen den geplanten Kuchen backen. Micha kümmert sich indessen um Tom, der nun zwar nicht mehr spuckt, der aber von seinem Virus ziemlich geschafft ist. Ungewöhnlich leise höre ich die beiden in Toms Zimmer spielen, aber immerhin mag Tom überhaupt wieder spielen. Lilli und Lotte sind, wie immer, wenn wir backen oder basteln, mit Feuereifer dabei, den Teig zuzubereiten. Zwar ist durch die ganze Nascherei später etwa ein Sechstel des Teiges weg, aber es reicht trotzdem für einen leckeren Kuchen.

Apfelkuchen mit Marzipanguss Rezept 20

Gerade wollen wir die vorgegebene Menge Milch abfüllen, da kommt uns beim Öffnen der frischen Packung ein furchtbarer Geruch entgegen. Ein Blick auf das Haltbarkeitsdatum verrät mir, dass diese heute erst eingekaufte Milch seit über einer Woche abgelaufen ist. Dies ist uns irgendwann schon einmal passiert und obwohl wir uns jedes Mal vornehmen, darauf zu achten, sind wir nun doch wieder drauf reingefallen. Aufgrund der heutigen Ereignisse fehlt uns jedoch jeglicher Elan, wegen einer Packung Milch noch einmal loszufahren, sodass ich schließlich improvisiere. In der Vorratskammer finde ich noch fettreduzierte H-Sahne. Was soll’s, versuchen kann man es ja. Zugegebenermaßen schmeckt der Teig dieses Mal etwas anders als sonst, aber wir riskieren es trotzdem und stellen den fertigen Kuchen in den Ofen. Natürlich nicht, ohne dass ich mir noch eine kleine Verbrennung zuziehe. Eine Brandblase, 45 Minuten Backzeit und 15 Minuten Abkühlzeit später stellen wir bei einer kleinen Kostprobe erleichtert fest, dass uns der Kuchen trotz H-Sahne sehr gut gelungen ist.

Während ich nun anfange, das Abendbrot vorzubereiten, schweifen meine Gedanken in Richtung der kommenden Nachmittage: Es stehen Reiten, Logopädie und Schwimmen an, vom restlichen Alltag mal abgesehen. Hoffentlich steckt sich keiner von uns an…

Ein „Bing“ auf meinem Handy zeigt mir an, dass ich 57 neue E-Mails habe. Eine davon ist die Antwort des Kooperationspartners, den ich vertrösten musste. Glücklicherweise ist er verständnisvoll und akzeptiert den kleinen Aufschub. In diesem Zuge denke ich noch einmal „Bitte, bitte, lass uns den Virus nicht kriegen!“, um dann schließlich alle zum Abendbrot zu rufen.

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Fortsetzung folgt… 

Wie schon beim letzten Mal, bin ich auch dieses Mal sehr gespannt, ob ihr solche ähnlichen Situationen und Tage kennt. Stehen euch manchmal auch die Haare zu Berge? Wie meistert ihr den ständigen Spagat zwischen dem Familienalltag, der Arbeit und dem Haushalt?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Alles Liebe,

eure Mari =)