Ein eigener Blog wächst mit einem. Man verändert sich, der Blog verändert sich. Mit der Zeit ändern sich eigene Ansichten und Einstellungen. (M)Ein Blog ist ein ständiger Begleiter unseres Alltags. Er spiegelt unser Leben, unsere Gedanken und Emotionen, unsere Ängste, Sorgen, Vorfreuden und verschiedenen Lebensabschnitte wider.

Baby, Kind & Meer fing ganz klein an und zählt mittlerweile zu den größten deutschen Familienblogs. Doch gerade aus diesem Grund werden wir häufig gefragt: „Warum habt ihr eure Kinder früher unkenntlich gemacht? Und warum habt ihr plötzlich damit aufgehört?“

Die Antwort darauf ist lang. Vermutlich sogar zu lang für einen Blogpost. Dennoch möchte ich das Thema nicht unausgesprochen lassen, sondern einmal ausführlich darauf eingehen.

Gesichter zeigen (4)

Natürlich ist das Ganze ein heikles Thema mit großem Diskussionspotenzial. Deswegen gibt es auch viele verschiedene Ansichten dazu. Und viele verschiedene Meinungen. Aber so ist es doch unser ganzes Leben lang, oder? Viele Menschen haben viele Meinungen. Wenn jeder Mensch seinem nächsten ähneln würde, würden wir einen Großteil unseres individuellen Charakters verlieren.

Zurück zum Blog: Ich kann gut verstehen, dass die meisten allein schon davor zurückschrecken, überhaupt zu bloggen. Und dann noch über Privates. Und über die eigenen Kinder. Das ist schon ein gewagter Schritt, den man nur gehen kann, wenn man ihn gehen möchte und von Anfang an dahintersteht.

Zumal das Thema „Kinder im Netz“ ohnehin sehr sensibel ist. Man könnte Micha und mir zum Beispiel vorwerfen, dass es nicht in Ordnung ist, dass unsere Kinder kein Mitspracherecht darüber haben, was wir alles über sie im Internet veröffentlichen. Und damit meine ich zuletzt das Zeigen ihrer Gesichter, sondern in erster Linie das Berichten über ihre Geburtstage und Kinderzimmer, über gemeinsame Urlaube, Kinderzeichnungen, Kindersprüche, individuelle Entwicklungen u.v.m.

Demnach ist es schwierig, überhaupt Grenzen zu ziehen.

Gesichter zeigen

Die (Blogger-)Welt um uns herum macht es weitestgehend anders: In den USA, in Norwegen, Schweden, Dänemark, England … nahezu überall wird gar kein Hehl daraus gemacht, ob es nun richtig ist, die Kinder im Internet zu zeigen oder nicht.

Wir Deutschen sind da deutlich verbissener, irgendwie nachdenklicher und verstrickter. Wir machen uns über alles sehr viele Gedanken, sind gern (über)vorsichtig und vielleicht auch ein wenig komplizierter.

Doch wo setzt man überhaupt die Grenzen, wenn es darum geht, Kinder miteinzubeziehen? Was ist beispielsweise mit Kindern, die ständig umziehen müssen aufgrund der Arbeit ihrer Eltern? Oder mit herumreisenden und vor Publikum auftretenden Zirkuskindern? Oder mit Kindermodels? Und mit Kinderschauspielern? Mit Kindern, die mit ihren Eltern um die Welt reisen? Mit Kindern, die mit ihren Eltern auswandern? Mit Kindern, die eine Privatschule besuchen?

Kinder werden nun mal in ihre Familie geboren und damit in gewisse Umstände und Lebenssituationen. Und jede Lebenssituation bringt andere Grundvorrausetzungen mit sich. Ein Kind wächst in dieses Leben hinein, wächst mit diesen Umständen auf.

Ein Zirkuskind, ein Schauspielkind, ein Tänzerkind, … ein Bloggerkind.

Gesichter zeigen (7)

Wir sind mittlerweile zu einer richtigen Bloggerfamilie geworden und unsere Kinder sind ein bedeutender Teil davon. Um ehrlich zu sein ein ziemlich großer. Sie kennen das alles nicht anders und finden nichts an alledem schlecht oder schlimm. Wären Micha und ich verrückt herumreisende Künstler, würden Lilli, Lotte und Tom genauso mit uns aufwachsen. Nicht weniger sonderbar und ebenfalls in nicht ganz „normalen“ Umständen.

Aber was ist eigentlich „normal“? Gibt es überhaupt eine Definition dafür?

Micha und ich haben uns bewusst dafür entschieden, gemeinsam zu bloggen, einen Familienblog zu führen. Wir haben uns für dieses Leben in der Öffentlichkeit entschieden. Ebenfalls bewusst. Und unsere Kinder gehören dazu. Mit Gesichtern.

Gesichter zeigen (2)

Wenn es um die Gefahren geht, die so ein öffentliches Leben mit sich bringt, dann gibt es da sehr viele. Dann müsste man aber an einem ganz anderen Punkt ansetzen und zunächst darüber nachdenken, ob man überhaupt über seine Familie und sein Privatleben bloggen möchte. Ob nun mit Gesichtern oder ohne.

Micha und mir fiel die Entscheidung, die Gesichter unserer Kinder wieder zu zeigen, dennoch sehr schwer. Wir haben viele Monate mit uns gerungen. Meine größte Angst war es, diesen bedeutenden Schritt zu gehen und daraufhin als Rabenmutter oder Rabenmamabloggerin dargestellt zu werden. Doch letztendlich haben mich so viele Menschen dazu ermutigt, genau das zu tun, was sich für uns richtig anfühlt. Und als ich es schließlich tat und diesen Schritt ging, fühlte es sich so befreiend und gut an! Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Endlich tat ich das, was sich authentisch anfühlte. Authentisch für uns, … weil es einfach zu uns passt. Ein Bauchgefühl eben. Und wir bekamen fast durchweg positive Resonanz. Von Freunden, Lesern, Kooperationspartnern und auch anderen Bloggern. Einige Blogger fühlten sich durch mich sogar ermutigt und zogen nach. Es war fast, als hätte ich einen ständig bestehenden Knoten gelöst.

Gesichter zeigen (8)

In Deutschland geht es immer und immer wieder darum, Kinder aus dem Internet herauszuhalten. Aber ist das wirklich so richtig? Ich spreche nicht von beschämenden Aufnahmen oder Nacktfotos. Ich spreche von leuchtenden Kinderaugen, Kinderlächeln und Familie. Kinder gehören zur Realität genauso wie zur virtuellen Welt. Warum ausklammern? Wo fangen die Ängste denn überhaupt an und wo hören sie auf?

Und was ist mit dem geschriebenen Wort? Ist das so unbedeutend und weniger gravierend? Ist es in Ordnung, wenn ich meine Kinder nicht zeige, aber im gleichen Zuge über deren Fehler und Macken berichte oder darüber klage, wie anstrengend sie sind? Oder mein Sexleben detailliert ausplaudere (… was die Kinder später nachlesen können)?

Wo gibt es Grenzen? Wo zieht man Grenzen? Gibt es überhaupt Grenzen?

Ich denke, es gibt darauf keine passende Antwort. Denn genau wie im realen Leben, in dem jeder selbst bestimmt, was er für sich und seine Familie für richtig hält, gilt das auch in der virtuellen Realität. Jeder hat andere Ansichten und Meinungen. Jeder lebt anders und denkt anders.

Lotte Portrait (2)

In die Zukunft blicken kann niemand. Niemand weiß, was morgen oder in einem oder in zehn Jahren passieren wird. Aber wachsen unsere Kinder nicht ohnehin immer digitaler und virtueller auf? Und was tue ich, wenn meine irgendwann zwölfjährige Tochter irgendwann ihre eigene Fotos im Internet postet?

Die digitale und virtuelle Welt ist den meisten von uns noch immer unheimlich und suspekt. Vielleicht aber aus genau dem Grund, dass wir nicht mit ihr aufgewachsen sind. Unseren Kindern geht es da anders.

Tom und Wimmelbuecher (2)

Und dann frage ich mich noch etwas: Wenn es tatsächlich nicht richtig wäre, öffentlich von sich zu erzählen und das Leben in Form aussagekräftiger Fotos zu teilen, warum haben Blogs dann so einen Erfolg und so viele Leser? Irgendwas müssen wir Blogger ja richtig machen. Vielleicht sogar eine ganze Menge?

Oder könntet ihr euch Kinder aus Filmen, Serien, Dokusoaps, Modekatalogen, Magazinen, Blogs und Zeitschriften wegdenken? Kinder gehören dazu. Die einen leben öffentlich, die anderen nicht. Kinder wachsen in individuellen Familien unter individuellen Bedignungen auf. Jede Familie lebt anders. Jedes Kind ist ein Teil (s)einer individuellen Familie.

es ist nicht immer einfach (7)

Wir sind glücklich damit, einen großen Familienblog zu führen. Und wir freuen uns, dass es so viele Menschen da draußen gibt, die sich für das, was wir machen, interessieren, … sich für unsere Texte, Bilder und Videos begeistern können. Und es fühlt sich gut an, die Kinder als einen Teil dessen zu empfinden. Lilli, Lotte und Tom dürfen ziemlich stolz auf sich sein, weil sie eine ganze Menge zu alledem beitragen.

Dennoch: Ich kann auch verstehen, wenn man einen anderen Weg wählt. Aus all den genannten Gründen.

Toleranz, Respekt und Akzeptanz spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Das gilt nämlich nicht nur für die Realität, sondern auch für die virtuelle Welt.

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Oh ha, … jetzt habe ich sicher ein großes Thema losgetreten, oder?

Lasst uns gern eure Meinung zu diesem Thema da! Ich bin gespannt!

Alles Liebe,

eure Mari =)