Auf unserem YouTube-Kanal nehmen wir euch ja regelmäßig mit durch unser Leben als Familie. Damit die Vlogs in ihrer Länge nicht den Rahmen sprengen, halten wir die einzelnen Szenen eher kurz. Oft ist es aber auch leider so, dass wir in wirklich lustigen oder vielleicht peinlichen Momenten die Kamera gerade nicht griffbereit haben. Und wenn wir sie dann endlich eingeschaltet haben, ist es bereits vorbei mit der Situationskomik. Dabei haben wir davon täglich unzählige Momente. Zwischen Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen, Frust, Lachanfällen, Resignation, aber auch Schimpftriaden vergehen manchmal nur Sekunden.

Es gibt Tage, da fühle ich mich emotional wie im Hormonchaos einer Schwangerschaft. Und Micha lässt sich hin und wieder entkräftet auf den Stuhl fallen, stützt seinen Kopf in seine Hände und schnauft, als wäre er einen Marathon gelaufen. Wie ich es immer wieder gerne schreibe: Das Leben mit Kindern ist chaotisch, bunt und folgt keinem Plan. Glücklicherweise sind wir zu zweit, und einer von uns beiden schafft es eigentlich immer, die Nerven zu behalten, wenn der andere eine Pause oder Abstand braucht. Auf der anderen Seite ist es regelmäßig so lustig hier, dass man teilweise den Raum verlassen muss, um sich von seinem Lachanfall distanzieren zu können.

An dieser Stelle heißen wir euch herzlich willkommen, denn wir nehmen euch nun mit und gewähren euch ein paar tiefere (und bewusst überspitzte) Einblicke in unser tägliches Familienchaos, angefangen beim Morgen und damit „Teil 1“ einer Mini-Serie. =)

Familienchaos Teil 1 7

Während Micha sich meist eine erste kleine Portion Schlaf abholt, während er Tom ins Bett bringt, sitze ich noch oder wieder am Schreibtisch und arbeite. Nach einer Weile kommt mein verschlafener Ehemann die Treppe heruntergewatschelt, um sich ebenfalls der Arbeit zu widmen. Es ist 22 Uhr, im Hintergrund läuft gerade die vierte Ladung Wäsche in der Maschine, während Ladung Nummer drei sich im Trockner befindet. Ob die Geschirrspülmaschine heute vielleicht mal Erbarmen mit uns hat und sich von selbst ausräumt? Auch das Wohnzimmer ist irgendwie noch nicht so gänzlich aufgeräumt. Ein kurzer Blick zu Micha, doch dieser zuckt nur gleichgültig mit den Achseln. Recht hat er! Was soll’s, morgen sieht es sowieso wieder genauso bzw. sogar schlimmer aus. Also nicke ich Micha nur bestätigend zu und widme mich wieder dem Laptop. Da wollen Bilder gesichtet und neue Blogposts verfasst werden. Unzählige E-Mails warten auf Bearbeitung, Kommentare müssen beantwortet werden. Die nächste Kooperation steht in den Startlöchern und bedarf einer Vorbereitung oder Umsetzung. Und, und, und …

Während unsere Finger über die Tastaturen jagen, das Klicken der beiden Mäuse rekordverdächtig schnell ist, merken wir nicht einmal, dass die Uhrzeiger bereits auf 1 Uhr morgens stehen. Nun aber ab ins Bett und schnell schlafen. Bei Männern geht das meist gut, die schlafen schon, bevor ihr Kopf überhaupt das Kissen berührt. Leider ist das bei mir nicht so, denn im Kopf arbeite ich noch eine ganze Weile weiter, bis ich endlich loslassen kann. Ein flüchtiger Blick auf den Wecker zeigt mir, dass es mittlerweile 1:30 Uhr ist, als ich endlich einschlafe.

… um wenige Stunden später von johlendem Kinderlärm geweckt zu werden. Kurz betrachte ich den Wecker auf meinem Nachttisch und frage mich, wozu ich den überhaupt da stehen habe. Nun bleibt mir nicht viel Zeit. Zwar höre ich Micha schon mit den Kindern sprechen, weiß aber, dass es keine fünf Minuten dauert, bis Tom die Tür zum Schlafzimmer aufreißen und sich mit ganzer Kraft auf mich stürzen wird. Also stehe ich auf und gehe die Treppen hinunter. Wobei „gehen“ das falsche Wort ist, „schlurfen“ trifft es wohl eher. Wie ein Zombie. Ein kurzer Blick in den Spiegel zeigt mir, dass ich aussehe wie ein Pandabär, zumindest, was Blässe und Augenringe angeht. Doch zum Glück weiß ich ja um die Kunst von Make-Up, ohne das ich heute garantiert nicht das Haus verlassen werde.

Familienchaos Teil 1 6

Lilli ist bereits angezogen und zerrt an uns, denn sie möchte frühstücken. Lotte schläft noch, also muss einer von uns sie wecken. Sie murmelt etwas Unverständliches, zieht sich die Decke über den Kopf und rollt sich auf die andere Seite. Erneut versuchen wir, sie zum Aufstehen zu animieren, was im zweiten Anlauf gelingt. Ihre Blicke sind bitterböse und anstatt eines fröhlichen „Guten Morgen!“ grunzt sie uns an, um sich an uns vorbeizudrängeln.

Lilli steht derweil im Flur und wird langsam unruhig. Tom krakelt währenddessen ununterbrochen in seinem Zimmer, auf einmal ein lautes „Rumms“, dann Sekundenstille und schließlich das erwartete Geschrei. Ein flüchtiger Blick auf das weinende Kind zeigt uns, dass alle Zähne noch da sind und Tom nicht blutet. Während Micha also Tom tröstet, gehe ich in die Küche, um ein Kühlpack zu holen. Lilli sitzt inzwischen am Küchentisch und wartet. Langsam gesellt sich auch Lotte dazu, die inzwischen nicht mehr ganz so morgenmuffelig ist und daher mit Lilli ein Gespräch anfängt.

In Zeitlupe gehe ich die Treppe wieder hoch und sage mir dabei unentwegt „Nicht einschlafen! Bloß nicht wieder einschlafen!“. Als ich im Kinderzimmer ankomme, spielt Tom bereits wieder vergnügt mit seinem Bagger. Das Kühlpack nutze ich daher als Wachmacher, indem ich es mir in den Nacken lege, um anschließend die Treppe wieder hinunterzugehen, während Micha oben Tom anzieht.

Familienchaos Teil 1 2

Familienchaos Teil 1 4

Lilli und Lotte haben in der Zwischenzeit – hilfsbereit wie sie sein können – den Tisch gedeckt. Da alle drei Kinder am Vorabend den Wunsch geäußert hatten, am kommenden Morgen Müsli zu essen, fülle ich drei Schalen voll. Gerade möchte ich anfangen, frischen Apfel, Bananen und ein paar Trauben dazu zu schneiden, da kommt von hinten ein entsetzter Aufschrei von Lotte: „Bloß keine Weintrauben! Das mag ich nicht im Müsli!“

Wenigstens Lilli freut sich und isst ihr Müsli anstandslos so, wie ich es vorbereitet habe. Mit etwas Versatz kommen Tom und Micha in die Küche. Tom sieht die Schüssel und liegt so schnell auf dem Boden, dass wir nicht einmal die Chance haben, zu reagieren. Ein Wutanfall, um 7 Uhr morgens. Besser kann der Tag kaum beginnen. Es dauert zehn Minuten, bis Tom sich beruhigt und er uns mitteilt, dass er ein Brot und kein Müsli essen möchte. Währenddessen stochert Lotte in ihrem Müsli herum und merkt an, dass es sonst doch immer ein anderes war. Mit viel Zureden gelingt es uns, sie zu überzeugen, dass es exakt dasselbe Müsli wie seit drei Jahren ist.

Familienchaos Teil 1 3

Gerade wollen auch endlich Micha und ich unser Brot essen, da macht es „Platsch“ und Toms Becher mit Wasser verteilt sich zunächst über dem halben Tisch und danach über Toms Schoß. Zum Glück liegt das Putztuch griffbereit, sodass ich den Boden schnell säubere, während Micha neue Kleidung für Tom holt. Nachdem wir daraufhin das Frühstück ohne weitere nennenswerte Vorkommnisse beenden können, mache ich noch schnell die Pausenbrotdosen für die Kinder fertig und Micha hilft den Kindern, ihre Sachen zusammenzusammeln.

Gerade habe ich den letzten Deckel geschlossen, da höre ich schon wieder Aufregung aus dem Flur. Lillis Turnbeutel ist nicht auffindbar und außerdem ist Toms Mütze weg. Seine Lieblingsmütze. Die anderen vier kommen nicht in Frage, es muss diese Mütze sein. Lilli und Micha suchen verzweifelt den Turnbeutel und ich gehe in mich, überlege, wo ich Toms Mütze zuletzt gesehen habe. Lotte hat sich zwischenzeitlich auf die Treppe gesetzt und schaut uns verständnislos zu, Tom sitzt bockig vor seinen Schuhen und zieht eine Flunsch. Als Lilli plötzlich einfällt, dass sie den Beutel wahrscheinlich im Auto hat liegen lassen, weiß ich auf einmal, dass ich die Mütze gestern Abend im Wäscheberg gesehen habe. Und tatsächlich, da ist sie! Im Trockner. Micha und ich atmen erleichtert aus.

Die beiden Mädchen sind bereits fertig zu Abfahrt, da fällt uns ein, dass Tom noch nicht auf der Toilette war. Zwar ist er nicht mehr ganz so trotzig, auf die Toilette muss er aber nicht, versichert er uns. Die Uhr zeigt bereits 7:40 an, die Zeit fängt an zu drängen, sodass wir Toms Aussage akzeptieren. Im Kindergarten sind ja schließlich auch Toiletten. Zum Abschied küsse und umarme ich alle Kinder und sage ihnen, wie lieb ich sie habe. Geduldig warte ich an der Haustür, bis alle Kinder eingestiegen und angeschnallt sind, um dann die Haustür hinter mir zu schließen, mich von innen dagegen zu lehnen und tief durchzuatmen.

Familienchaos Teil 1 5

… um zwei Minuten später mit einem kleinen Satz durch den Flur gestoßen zu werden, weil Micha im Eiltempo die Tür aufstößt, Tom auf dem Arm. Mit großen Schritten sprintet Micha Richtung Badezimmer und reisst den Toilettendeckel hoch. So viel zum Thema, Tom müsse wirklich nicht mehr zur Toilette.

Lotte hat sich inzwischen wieder abgeschnallt und dreht das Autoradio so laut auf, dass nicht nur unsere Nachbarn, sondern die ganze Straße wach wird. Nun ist es an mir, mit einem Riesensatz zum Auto zu springen, um die Musik leiser zu stellen. Lilli und Lotte lachen, ich bin sauer. Entsprechend schimpfe ich auch und ermahne die beiden, so etwas nicht wieder zu tun. Noch in der Erklärung, wen sie alles damit stören und wecken könnten, kommt Micha wieder aus dem Haus und drängt auf ein eiliges Losfahren.

Familienchaos Teil 1 1

Nun aber. Als ich höre, wie unser Auto die Auffahrt verlässt, setze ich mich diesmal vorsichtshalber an den Küchentisch, um dort kräftig durchzuatmen. Nach zweiminütiger Meditation räume ich den Frühstückstisch ab und möchte gerade das dreckige Geschirr in die Maschine stellen, als diese mich gefühlt verhöhnt, da sie sich leider doch nicht von selbst ausgeräumt hat. Eigentlich, so sagen es mir mein heutiger Terminplan und ein Blick auf die Uhr, müsste ich jetzt duschen gehen, da ein wichtiger Termin ansteht. Aber es nützt ja nichts, zumal Micha heute ebenfalls ziemlich beschäftigt ist und keine Zeit hat. Im Eiltempo erledige ich die Sache mit der Spülmaschine, schaue dann erneut auf die Uhr und spüre erste Hektik in mir aufkeimen. Aber hey, ich habe noch gute 15 Minuten Zeit, um zu duschen und mich komplett fertig zu machen. Das schaffe ich, ganz bestimmt!

Auf Haarspülung und -kur verzichte ich und benutze schnell das Duschgel als Shampoo. Die Foundation brauche ich heute nicht, der Concealer und etwas Wimperntusche tun es schließlich auch. Die nassen Haare rubble ich bestmöglich mit dem Handtuch trocken, um sie dann zu einem lockeren Pferdeschwanz zu binden. Schnell noch die Kleidung überwerfen und dann bin ich fertig. Ein kurzer Blick in den Spiegel zeigt mir, dass Oberteil und Hose farblich überhaupt nicht zusammenpassen, aber bei den heute geplanten Fotos interessiert sich sowieso keiner für den Bereich bauchabwärts. Die optische Müdigkeit habe ich einigermaßen kaschieren können, wie ich finde. Muss für heute einfach reichen, meine Besucherin wird sicher Verständnis haben.

Und da klingelt es auch schon an der Haustür. Mein Gast mustert mich von oben bis unten und ihr leider nicht ganz so verständnisvoller Blick bleibt auf meinem Gesicht hängen. Sie bemüht sich zu lächeln und presst ein „Guten Morgen! Lange Nacht gestern?“ zwischen den Zähnen hervor. Irgendwie gelingt es mir, die Situation mit etwas Humor zu entschärfen. Sie und ihr Kamerateam treten ein und der Vormittag kann beginnen.

Familienchaos Teil 1 8

Fortsetzung folgt… 

Nun freue ich mich, wie immer, auf einen regen Austausch mit euch! Kommt euch das eine oder andere bekannt vor? Oder läuft es bei euch gänzlich anders ab? 

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Alles Liebe,

eure Mari =)