In unserem schönen Heimatort ist das Wetter mehr als wechselhaft. In einem Moment scheint draußen die Sonne an einem strahlend blauen Himmel, kurz darauf bricht ein Unwetter mit Sturm und Gewitter los. Genauso abwechslungsreich ist das Leben als Familie bzw. das Leben mit Kindern. Von der einen Sekunde auf die andere schieben sich Wolken vor die Sonne und Wind zieht auf. Oder anders herum. Zwischen warmen Sonnenstrahlen und dem Wechsel zu einem tosenden Orkan vergehen manchmal nur wenige Sekunden.

Auf unserem YouTube-Kanal bekommt ihr regelmäßig den einen oder anderen Einblick in unseren Alltag. Wie es aber hinter unseren „Kulissen“ aussehen kann, das zeigen wir euch nicht allzu oft. Dies war für uns ein Anlass, für euch eine kleine Mini-Serie in Form von drei Blogposts zu kreieren, in der ihr uns auszugsweise in unserem Familienalltag begleiten könnt – wenn auch etwas übertrieben dargestellt. In den ersten beiden Teilen luden wir euch ein, den Morgen und den Nachmittag mit uns zu verbringen – natürlich übertrieben sarkastisch, aber dennoch nahe an der Realität. ;)

Wer „Teil 1“ und „Teil 2“ noch nicht kennt, ist herzlich eingeladen, die entsprechenden Blogposts noch einmal zu lesen:

Familienchaos: Einblicke in unseren Familienalltag – Teil 1

Familienchaos: Einblicke in unseren Familienalltag – Teil 2

Ansonsten wünschen wir euch an dieser Stelle ganz viel Spaß beim Lesen des dritten und letzten Teils! =)

Familienchaos Teil 3 6

Aufgrund des kranken Tom findet das gemeinsame Abendbrot heute ausnahmsweise im Wohnzimmer statt. So kann unser Jüngster auf der Couch liegen und trotzdem bei uns sein, während wir  essen. Eigentlich ist heute Duschtag für die Kinder. Um spätere Unruhe zu vermeiden, findet das Duschen normalerweise vor dem Abendessen statt. Aber dies ist uns aus gegebenem Anlass heute so nicht möglich. Innerlich hoffe ich, dass es trotz der fehlenden Routine später anstandslos klappen wird.

Toms Abendbrot besteht aus einem viertel Toastbrot ohne Rand, ein paar Salzbrezeln und einem kleinen Stück Banane. Dass die Mädels, die sonst so verständnisvoll sein können, dies ausgerechnet heute nicht akzeptieren, hätten wir uns eigentlich denken können… Lotte möchte ihr Mischbrot nur essen, wenn der Rand bei ihr ebenfalls abgeschnitten wird. Und Lilli weigert sich, Gemüse zu nehmen, wenn sie nicht zumindest vorher ein paar Salzbrezeln haben darf. Geduldig appellieren Micha und ich an eben benannten Verstand der Mädels und erklären ihnen, dass Tom seine vermeintliche „Extrawurst“ heute nur bekommt, weil er gerade nichts anderes verträgt.

Lilli zeigt sich einsichtig, nimmt Gurke und Paprika und legt sich die Brezeln für später beiseite. Lotte hingegen verschränkt die Arme vor der Brust, zieht eine Flunsch und wirft ihren Kopf bockig in den Nacken. Kurze Zeit später rutscht sie unelegant vom Stuhl und versteckt sich unter dem Tisch. Da wir wissen, dass jegliches weitere Zureden die Situation nur verschlimmern wird, sagen wir ihr freundlich, dass wir uns freuen würden, wenn sie sich wieder zu uns setzt, sobald sie nicht mehr trotzig ist.

Familienchaos Teil 3 10

Nachdem wir Lotte eine Weile ignoriert haben, hören wir Flüche unter dem Tisch. Und zwar in genau der Lautstärke, dass wir sie zwar wahrnehmen, aber nicht verstehen können. Taktisch klug ist sie ja, die liebe Lotte!

Die folgenden Minuten verbringt sie nun damit, schimpfend an unseren Füßen zu ziehen oder von unten gegen den Tisch zu hämmern, um uns zu provozieren. Dies ist der Moment, in dem Micha und ich wissen, dass es gleich ausgestanden ist. Und tatsächlich: Kurz darauf taucht ihr Kopf wieder auf, sie sieht sich verstohlen nach unseren vollkommen ausdruckslosen Mienen um, setzt sich wieder an den Tisch und isst ohne weitere Kommentare anstandslos ihr Brot. Mit Rand.

Zum Nachtisch gibt es noch ein kleines Stück unseres gebackenen Kuchens mit der fettreduzierten H-Sahne. Obwohl er wirklich gut schmeckt, so müssen wir doch noch einmal sehr über unser improvisiertes Werk lachen. Tom liegt inzwischen mit seinem Kopf auf Michas Schoß und zeigt deutlich, dass es für ihn Zeit fürs Bett ist. Der kleine Mann ist wirklich geschafft, sodass Micha beschließt, ihn fertig zu machen und anschließend ins Bett zu bringen. Das Abräumen des Tisches übernehme ich und bekomme dabei heute ausnahmsweise ganz tolle Unterstützung durch Lilli und Lotte.

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Gerade möchte ich die letzten Gläser in Richtung Küche tragen, da passiert es: Klirr!

Zwar befand sich nur noch ein kleiner Rest Wasser im Glas, sodass die Küche wenigstens nicht schwimmt. Aber das Glas, das mir runtergefallen ist, ist eines dieser Gläser, das nicht in fünf bis zwanzig Teile zerspringt, sondern in etwa eine Million. Schon jetzt weiß ich, dass ich auch in ein paar Wochen noch überall kleine Splitter davon finden werde. Frustriert denke ich „Echt jetzt?“ und weise die Mädchen an, sich von den Scherben fernzuhalten. Da die beiden sowieso noch unter die Dusche müssen, bitte ich sie, schon ins Badezimmer zu gehen, während ich mich um das Chaos in der Küche kümmere.

Familienchaos Teil 3 4

Es ist bereits nach 20 Uhr, also wundert es mich eigentlich nicht, dass Micha von oben herunterruft und fragt, ob das mit dem Staubsaugen jetzt unbedingt sein müsse, da Tom doch so müde sei. Obwohl Micha gewissermaßen Recht hat, überlege ich dennoch, ihm kommentarlos Handfeger und Schaufel nach oben zu bringen, besinne mich aber eines Besseren und versuche stattdessen, alle Splitter zu erwischen. Nachdem ich noch die ausgelaufene Selter aufgewischt habe und die Küche wieder begehbar ist, begebe ich mich Richtung Badezimmer, um Lilli und Lotte zu unterstützen.

Bereits auf halber Strecke höre ich Lachen, Jauchzen und Gesang aus dem Bad dringen. In meinem Verstand entstehen bereits Bilder und Ängste dessen, was mich beim Öffnen der Tür wohl erwarten wird. Entweder haben die beiden das Bad geflutet oder sie feiern eine Schaumparty oder Schlimmeres…

Vorsichtig stecke ich meinen Kopf durch die Badezimmertür und ärgere mich daraufhin fast ein wenig darüber, dass meine Kamera unten im Wohnzimmer liegt. Der Lachanfall, der mich dann überkommt, lässt alles andere verblassen. Der ganze verrückte Tag gerät in diesem Moment in Vergessenheit.

Familienchaos Teil 3 2

Manchmal wundert man sich, wie schnell das Auge Dinge aufnehmen kann und wie das Hirn diese Informationen in Schallgeschwindigkeit umsetzt. In Bruchteilen von Sekunden sehe ich irgendwie alles auf einmal: Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, dass die Mädchen mein gesamtes Schminksortiment hervorgeholt und ausgebreitet haben.

Ein Blick auf Lotte, die auf der geschlossenen Toilette steht, zeigt mir, dass sie das Sortiment nicht nur angeschaut, sondern ausprobiert haben. Lotte steht wie eine Diva auf dem Toilettendeckel und trällert ein Lied in ihre elektrische Zahnbürste, die ihr als Mikrofon dient. Lilli tut selbiges aus der Dusche, deren Türen leider von der Feuchtigkeit beschlagen sind. Zum Glück hält Lilli aber ihren Kopf kurz heraus, vermutlich um zu sehen, ob Lotte das Spiel noch mitspielt. Offensichtlich hat Lilli die nicht wasserfeste Wimperntusche getestet, denn ihre Augen sind durch das Duschwasser schwarz umrandet (diesen Anblick behalte ich übrigens für das nächste Halloween im Hinterkopf).

Vor der Dusche befindet sich eine mittelgroße Pfütze, in die Lotte hereingetreten sein muss, da sie nur noch eine Socke trägt. Und scheinbar haben die beiden auch mein Parfüm gefunden und ausprobiert, denn der „dezente“ Duftnebel, der mich umgibt, erinnert mich an einen Besuch einer bekannten Parfümerie.

Familienchaos Teil 3 3

Trotz des Durcheinanders, das Lilli und Lotte im Bad veranstaltet haben und trotz der Tatsache, dass sich ihr Zubettbringen heute etwas ziehen wird, kann ich nicht anders, als beide nacheinander fest an mich zu drücken und ihnen zu sagen, wie schön es ist, sie zu haben. Meine kleinen verrückten und süßen Mädchen! Zwar ist es inzwischen schon spät, aber ich lasse die beiden noch ein paar Minuten weiter Top-Stars spielen, bis ich Lotte unter die Dusche schicke.  Danach räumen wir gemeinsam das Bad auf, entfernen die Schminkreste aus ihren Gesichtern und schlussendlich werden die Zähne geputzt.

Allerhöchste Eisenbahn, dass die Mädels nun ins Bett kommen. Aufgrund der späten Stunden verzichten wir heute auf das Lesen von Büchern. Unser Einschlafritual hingegen darf aber nicht fehlen. So sucht Lotte sich aus einer vorgegebenen CD-Sammlung ihr Hörspiel aus, während ich bei Lilli das „Stopp-Spiel“ spiele. Dies bedeutet, dass ich mit dem Finger über die CD-Rücken fahre, bis Lilli „Stopp!“ ruft. Dort, wo mein Finger dann steht, wird die CD aus dem Regal gezogen. Als das Hörspiel startet, decke ich Lilli zu, küsse sie, wünsche ihr eine gute Nacht und sage ihr, dass ich sie sehr lieb habe.

Familienchaos Teil 3 1

Aus dem Nachbarzimmer höre ich, wie Lotte wild herumhüpft oder -tanzt. Das dumpfe, ziemlich starke Beben lässt mich nur mutmaßen, was sie da tut. Wird dieses Kind denn niemals müde? Doch heute liegt es mit Sicherheit daran, dass wir unsere Abendroutine nicht einhalten konnten. Kaum weicht etwas vom normalen Alltag der Kinder ab, so hat dies fast immer Konsequenzen.

Mit einer gewissen Unruhe hatten wir diesbezüglich ja bereits gerechnet. Allerdings liegt Toms Zimmer direkt neben dem von Lotte, sodass ich mit wenigen Schritten in ihr Zimmer flitze, um sie daran zu erinnern, dass ihr Bruder krank ist und schlafen soll. Und dass sie ebenfalls schlafen soll. Lotte schmollt und nuschelt etwas wie „Ich bin noch gar nicht müde“, fügt sich aber trotzdem ihrem Schicksal. „Vielleicht ist sie ja doch müder, als ich dachte“, hoffe ich.

Auch ihr wünsche ich nun eine gute Nacht, während ich sie zudecke. Mit einem Kuss auf die Stirn sage ich ihr, dass ich sie lieb habe und freue mich, als die eben noch mürrisch wirkende Lotte plötzlich ihre Arme um mich schlingt, mich innig drückt und ein mir ein leises „Hab dich auch lieb, Mama!“ in die Ohren haucht. Noch einmal küsse ich sie und verlasse dann selig ihr Zimmer, während im Hintergrund ihr Hörspiel läuft.

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Erst jetzt fällt mir auf, wie viel Zeit vergangen ist, seit Micha mit Tom nach oben verschwunden ist. Da kein einziges Geräusch aus Toms Zimmer dringt, gehe ich davon aus, dass Micha wieder einmal bei Tom eingeschlafen ist. Es grenzt fast an ein Wunder, dass keiner der beiden den Trubel mitbekommen hat, den die Mädels vorhin veranstaltet haben. Aber wie ich schon sagte: Männer schlafen, bevor ihre Köpfe das Kissen berühren. Und wenn sie erst einmal schlafen, könnte unter ihnen das Bett zusammenbrechen. Die schlafen einfach weiter, sodass die Vermutung nahe liegt, dass (kleine) Jungs das genauso gut können. Erst recht, wenn sie krank sind.

Da ein Berg Arbeit auf mich wartet, begebe ich mich, nun, da Ruhe im Hause eingekehrt ist, nach unten und fahre meinen Laptop hoch. Es ist 22 Uhr, im Hintergrund läuft gerade die zweite Ladung Wäsche in der Maschine, während Ladung Nummer eins sich im Trockner befindet. Ob die Geschirrspülmaschine im Gegensatz zu gestern wenigstens heute Erbarmen mit uns hat und sich von selbst ausräumt? Egal, nun gilt es erst mal, die heute unvorhergesehen verlorene Zeit nachzuarbeiten. Zwischen all den Emails und anderen Dingen merke ich zunächst gar nicht, wie wieder einmal die Minuten davonfliegen. Erst eine Stunde später blicke ich unsicher auf: Micha ist noch immer nicht nach unten gekommen, außerdem höre ich von oben undefinierbare Geräusche.

Familienchaos Teil 3 9

Der erste Gedanke gilt Tom und dass es ihm wieder schlechter geht. Also gehe ich die Treppe hoch und stelle fest, dass die Kinderzimmertüren allesamt geschlossen sind. Die Badezimmertür allerdings auch, was sonst um diese Zeit nie der Fall ist. Und ganz klar kommen von dort auch die Geräusche. Sofort wird mir klar, was los ist, also öffne ich nur die Tür, bleibe aber aus Anstand draußen und frage Micha, ob ich etwas für ihn tun kann. Seine ächzende Stimme teilt mir in abgehackten Worten mit, dass er schon zurecht käme und ich mich wegen der Ansteckungsgefahr fern halten solle. So einfach will ich mich eigentlich nicht geschlagen geben, allerdings weiß ich, wie sich ein Magen-Darm-Virus anfühlt und dass man in solchen Momenten einfach nur seine Ruhe haben will.

Kurz, bevor ich die Tür wieder schließe, verspreche ich, dass ich in einer Viertelstunde noch einmal nach ihm sehen werde. Natürlich halte ich mein Versprechen und finde Micha daraufhin neben der Toilette schlafend vor. Erst der Kleine und nun auch noch mein Mann. Muss das sein? Normalerweise erwischt es immer mich und selten Micha. Nicht, dass ich nicht froh darüber wäre, dieses Mal scheinbar davon gekommen zu sein. Nein, mich beschleicht allerdings so ein Gefühl, dass irgend etwas nicht stimmen kann. Aber vielleicht spricht da auch nur die schlechte Erfahrung aus mir.

Bis etwa 0:30 Uhr arbeite ich noch weiter und entscheide dann, dass es nun auch für mich Zeit ist, ins Bett zu gehen. Oben werfe ich noch einen Blick ins Bad, das inzwischen leer ist, sodass ich weiß, dass Micha im Bett liegt und hoffentlich etwas Schlaf findet. Heute schaffe sogar ich es, binnen weniger Minuten einzuschlafen.

Es ist 3:42 Uhr, als ich mit Schüttelfrost und Übelkeit aufwache. Noch während ich im Eiltempo Richtung Badezimmer laufe, denke ich nur eines: „Oh, nein!“

Familienchaos Teil 3 11

So, das war’s mit der kleinen überspitzten Reise in unser tägliches Familienchaos. Das Ganze hat natürlich nicht genauso stattgefunden, … zumindest nicht alles auf einmal. Ich habe einfach ein paar Situationen von ein paar schrägen Tagen zusammengefasst, um euch aufzuzeigen, dass auch wir das völlig normale Familienchaos leben. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht! =)

Vielleicht mögt ihr ja das eine oder andere pikante Detail aus eurem Familienchaos mit uns teilen? Und kennt ihr im Gegenzug diese unbeschreiblich schönen Gefühle, wenn eure Kinder plötzlich so etwas Verrücktes machen wie Lilli und Lotte im Bad? Wenn ihr lachen müsst und plötzlich einfach glücklich und dankbar seid, obwohl ihr euch eigentlich ärgern müsstet?

In der Hoffnung, dass euch die kleine Reise durch unseren Alltag gefallen hat, freue ich mich nun sehr auf eure Kommentare!

Alles Liebe,

eure Mari =)