Die meisten von euch erinnern sich sicher an den Erfahrungsbericht über Lillis Geburt – auf natürlichem Wege. In meinem letzten langen Erfahrungspost erzählte ich euch alles über die zweite Schwangerschaft mit Lotte (zum Post geht es hier entlang). Nun möchte ich euch natürlich nicht länger auf die Folter spannen, sondern erzählen, wie die zweite Geburt letztendlich verlaufen ist.

Wie der Titel dieses Posts schon sagt, kam Lotte per Kaiserschnitt auf die Welt. Das hatte mehrere Gründe, die ihr alle gleich erfahren werdet.

Hier kommt er also, der Bericht über Lottes Geburt: Über den geplanten Kaiserschnitt, die dennoch wundervolle Geburt, das intensive Kennenlernen und die heftigen, nahezu unaushaltbaren Schmerzen danach.

Achtung: Dieser Post ist – wie alle Erfahrungsposts – sehr lang. Bringt also lieber etwas Zeit mit. =)

Wir ihr in dem Post zur Schwangerschaft mit Lotte lesen könnt, waren all die Monate von starken Wehen, Schmerzmitteln und Bettlägerigkeit geprägt.

Wir kämpften Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, dass Lotte es so lange wie möglich im Bauch aushalten würde.

Ich nahm den Wehenhemmer lieber länger als zu kurz, weil wir uns nur zu gut daran erinnerten, was während der Schwangerschaft mit Lilli geschah, nachdem wir das Mittel in der 35. Woche abgesetzt hatten.

Erst 36+0 SSW, nachdem Lotte per US als gesund und gutgewichtigt untersucht worden war, setzte ich den oralen Wehenhemmer ab. Die Ärzte hatten mir schon ab 34+0 SSW gesagt, dass ich ihn nicht weiter nehmen brauchte. Aber das war mir egal. Ich hatte noch Tabletten gehabt und auf die paar Wochen – nach der monatelangen Einnahme – kam es nun wirklich nicht mehr an.

 

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Von dem Tag an, an dem ich das Adalat (den Wehenhemmer) abgesetzt hatte, begann ich mich wieder frei zu bewegen und zu leben. Ich tobte mit Lilli, spielte, putze die Wohnung. Ich genoss es, nicht mehr ans Bett gefesselt zu sein. Und ich genoss die Zeit mit Lilli. Dennoch machten mir die starken Wehen sehr zu schaffen. Sie kamen fortan – nach Absetzen des Wehenhemmers – noch öfter und stärker, teilweise alle 2 Minuten. Und das muss man sich mal vorstellen!

Ich war am Ende. Körperlich. Psychisch. Vor der normalen Geburt fürchtete ich mich sowieso. Nicht wegen der Schmerzen, sondern deshalb, weil ich nach der Geburt viele Probleme bekommen hatte. Die aufzuzählen, das wäre zu intim. Deshalb nur ganz knapp: Ich habe seit Lillis Geburt Schmerzen untenrum. So starke Schmerzen, dass ich teilweise nur mit überkreuzten Beinen stehen konnte.

Und so berieten wir uns mit dem Krankenhaus, ich wurde untersucht, es wurde geredet, abgewogen, hinterfragt. Dazu kamen die Wehen, die das CTG Tag für Tag alle 2-3 Minuten aufzeichnete.

„Okay“, hieß es schließlich, „wir werden einen Kaiserschnitt durchführen.“

Was für manche eine Schreckensdiagnose sein mag, war für mich ein großer Stein, der mir vom Herzen fiel. Geplant wurde der Kaiserschnitt an 38+0 SSW.

Zwei Tage vor dem Kaiserschnitt ging es erneut in die Klinik. Lotte wurde noch einmal ausgemessen, damit man sie auch wirklich nicht zu früh und möglicherweise untergewichtig auf die Welt holt. Die Wehen waren mittlerweile so schlimm, dass die Hebammen und Ärzte richtig mit mir litten. Gebärmutterhals war sowieso nicht mehr vorhanden, Muttermund schon lange offen.

***
An 38+0 SSW, also zwei Wochen vor ET, und damit am 20.02.2012 war es schließlich so weit.
Wir packten unsere Sachen und fuhren ins Krankenhaus. Der Termin war zwischen 9 und 10 Uhr morgens. Ich hatte schon am Vorabend nichts mehr essen dürfen. Demnach war ich recht schlapp und sowieso total nervös.
Michas Mama passte in der Zeit auf Lilli auf und wohnte bei uns, denn nach der Geburt bestanden wir auf ein Familienzimmer. Wir wollten alles tun, damit die Zeit nach der Geburt nicht wie bei Lilli damals enden würde (postnatale Depression etc.).Ich fühlte mich furchtbar.
Jede Minute schlich wie eine halbe Ewigkeit dahin. Ich pampte jeden an, der mir in die Quere kam. Und als sich dann noch alles nach hinten verschob, wurde ich immer grantiger. Aber das war bloß die Nervosität.
Irgendwann ging es dann endlich los. Micha sollte sich OP-steril anziehen, während ich bereits in den OP geschoben wurde. Ich war so nervös, dass ich alles nur sehr beiläufig mitbekam.
Woran ich mich aber bis heute erinnere: Mir wurde jeder Schritt bis ins kleinste Detail erklärt. Immer wieder wurde ich gefragt, wie es mir ginge. Jeder kümmerte sich unglaublich liebevoll und verständnisvoll um mich.
Ich kam auf eine Liege, musste mich hinsetzen und bekam die PDA. Ein bisschen bammelte es mir davor, dass ich bei der OP doch etwas merken könnte. Aber ich glaube, das geht fast jedem so.
Dann sollte ich mich wieder hinlegen. An mich wurden Blutdruckgeräte und sämtliches anderes Zeug angeschlossen. Ein Tuch wurde vor mich geschoben und meine Beine sehr merkwürdig positioniert. Allerdings merkte ich davon fast gar nichts mehr. Es ruckelte nur etwas und fühlte sich absolut seltsam an. Dann wurde wohl irgendwas am Bauch gemacht. Der Narkosearzt beobachtete mich total intensiv. Als ich nicht reagierte, sagte er: „Kann losgehen.“

Ich vermute mal, da wurde überprüft, ob ich noch irgendetwas merkte.

Als es dann losging, merkte ich nichts. Gar nichts. Das war wirklich bizarr.
Irgendwann sagte der Narkosearzt: „Ihr Mann darf jetzt dazu kommen.“
Und Micha kam dazu.
Kaum dass er da war – und das war vielleicht gerade mal 10 Minuten nach OP-Beginn – hieß es dann:
„Noch eine Minute, dann ist die Kleine da.“
Dann ruckelte und wackelte es. Es plätscherte und schaukelte und dann: „Wuäah!“
Babygeschrei.
Kaum eine Sekunde später hielt ich die kleine, zerknautschte Lotte auf dem Arm.
Mir und Micha stiegen Tränen in die Augen.
Wir hatten es geschafft. Nach vielen Momenten der Angst, Schmerzen, Wehen und Sorgen hatten wir es geschafft. Lotte war da. Mit 10 Fingerchen, 10 Zehen, Augen, Nase, Mund. Alles dran. Kerngesund.
Ich weiß noch, wie ich immer und immer wieder sagte: „Sie ist so hübsch. Micha, sie ist so hübsch!“
Und das war sie auch. In diesem Moment war sie für uns das hübscheste Wesen auf Erden. =)
20.02.2012

2950g und 50cm Charlotte. =)
Die Ärzte nähten mich bereits. Ich bekam davon überhaupt nichts mit. Die ganze Zeit über himmelte ich Lotte an. Und sie hätten sie mir niemals weggenommen. Das mussten sie nur, als ich plötzlich kollabierte. Ich bekam kaum noch Luft. Es fühlte sich an, als ob meine Lungenflügel sich beim Atmen nicht mehr ausbreiten konnten. Ich bekam Panik, gab Lotte ab und bat um Hilfe. Daraufhin nahm Micha Lotte und verschwand mit einer Hebamme, um sie zu versorgen. Mein Blutdruck wurde überprüft, ich wurde an einen Tropf angeschlossen und bekam eine Sauerstoffmaske.Von diesem Moment an verblasst meine Erinnerung ein bisschen. Dennoch weiß ich, dass es mit dem Sauerstoff schnell besser wurde und dass die ganze Nähprozedur wirklich nicht lange dauerte.Danach sollte ich in den Aufwachraum. Noch ohne Kind. Aber ich bestand darauf – wie schon vor der Geburt besprochen – dass ich sofort zu meinem Baby durfte.Wie gesagt, die Erfahrungen nach Lillis Geburt (im Übrigen hatte diese in der Uni Klinik und nicht wie bei Lotte im Städtischen KKH Kiel stattgefunden) hatte mich nämlich eines gelehrt:
Niemals, wenn nicht nötig, vom Baby getrennt zu sein.
Die Ärzte gingen wirklich sofort auf meine Wünsche ein. Ich wurde vom OP direkt in das Zimmer zu Micha und Lotte geschoben. Dort lag Lotte im übergroßen Windelpo auf Michas nackter Brust. Ein Bild des Kennenlernens. Ein wundervolles Bild.

Die Hebamme kümmerte sich fürsorglich um ums. Nicht eine Sekunde verstrich, ehe ich das kleine Lottchen zurück in die Arme bekam. Mir wurde beim Stillen geholfen und das Lottchen „dockte“ an. Die kleine Maus saugte und saugte und saugte. Fast 45 Minuten lang! Dann wurde die Seite gewechselt. Ich schwebte im siebten Himmel. Alles, was bei und nach Lillis Geburt schiefgegangen war, klappte nun perfekt.

Ja, … einfach perfekt. =)

Nach und nach ließ die Betäubung nach. Erst konnte ich meine Zehen wieder bewegen, dann die Füße und schließlich die Beine. Und je mehr Bewegung zurückkam, umso mehr Schmerzen kamen hinzu. Noch schwamm etwas Restbetäubung in meinem Blut, aber so langsam wurde ich auf das vorbereitet, was wohl kommen würde, wenn das Betäubungsmittel gar nicht mehr wirken würde. Das verdrängte ich jedoch und konzentrierte mich auf das lebendig gewordene Glück.
Nach dem ersten Stillprozess wurde Lotte angezogen. Anschließend wurden wir auf unser Familienzimmer gebracht.
Dort hatten Micha, Lotte und ich alle Zeit der Welt, uns in Ruhe kennenzulernen.
Ich stillte nicht nach Rhythmus, sondern nach Bedarf. Ich betrachtete Lotte pausenlos, bewunderte sie, streichelte sie, küsste sie.
Die Geburt, das Kennenlernen, das Stillen – alles lief wie im Bilderbuch.Nur die Schmerzen nach diesem Kaiserschnitt verliefen anders als ich erwartet hatte.
***

Das ist Part 2 dieses Posts: Die Zeit nach dem Kaiserschnitt!

Am Tag 1 hing natürlich noch der Blasenkatheter von der OP an mir. Am Abend sollte ich aufstehen, damit dieser schnellstmöglich entfernt werden konnte.

Mädels, ich sag euch: Ich bin keine Memme! Ich hatte nun schon zwei wehenvolle Schwangerschaften hinter mir, unzählige Nierenkoliken (und die sind schlimmer als normale Geburten) und Nierenbeckenentzündungen. Aber nichts, … nichts davon kam an diese Schmerzen nach dem Kaiserschnitt heran.

Ja, … ich weiß, es gibt Frauen, die können danach direkt, wenn auch gekrümmt, herumlaufen. Die gab es auch auf meiner Station. Aber bei mir ging das nicht. Es funktionierte nicht. Absolut nicht.

Die Ärzte erklärten mir, dass die lange Bettlägerigkeit und die lange Wehenzeit Schuld daran wären, denn je länger man vor einem Kaiserschnitt Wehen hätte, umso schlechter stecke man ihn am Ende weg.

***

Als ich das erste Mal aufstand, tat es nicht, wie eigentlich erwartet, am Bauch weh. Nein, es tat innerlich weh. Kaum dass ich stand, fühlte es sich an, als hätte ich mich auf Messers Schneide gestellt. Ein Messer, das sich bis in mein tiefstes Inneres bohrte. Mir wurde schwarz vor Augen.

Ich wurde zurück ins Bett gelegt.

Ich bekam alle 2-3 Stunden starke Schmerzmittel. Aber die wirkten nicht. Vielleicht hatte ich während der Schwangerschaft schon zu viel nehmen müssen und die schlugen nicht mehr an. Das einzige, was sie taten, war, mich benommen zu machen. Aber die Schmerzen blieben. Dazu ein rumorender Magen/Darm (normal nach einem KS) und übelste Nachwehen.

Zum Essen hievte ich mich hoch. Aber ansonsten lag ich immer in der gleichen Position. Das war dermaßen unangenehm. Allein, … also ohne Micha, hätte ich mich niemals um Lotte kümmern können.

An Tag 2 wurde der nächste Aufstehversuch gestartet. Den Blasenkatheter gab es immer noch.
Auch dieses Mal wurde ich ohnmächtig vor Schmerzen und wurde erneut zurück ins Bett gelegt.
Am Abend musste der Katheter aber endlich raus. Wegen der Infektionsgefahr. Da Micha bei mir war, beschlossen wir, den nächsten Versuch ins Bad zu starten, sobald mir danach war. Dann ohne Schwester, sondern mit Micha zusammen.
Irgendwann nahm ich also allen Mut zusammen. Ich hievte mich hoch. Ich hatte solche Schmerzen, dass ich dachte, ich würde sterben.
Egal, dachte ich, Schritt für Schritt vorwärts. Andere schaffen das doch auch!
Micha stütze mich. Es ging ins Bad. Im Schneckentempo. Dort aufs Bidet. Ich saß da und wollte mich gerade waschen, als alles vor meinen Augen verschwamm. Aber so richtig. Ich hörte nur noch dumpf, alles wurde dunkel. Ich schaffte es nicht mal, noch etwas zu sagen. Und weg war ich.
Das nächste, an das ich mich erinnere, ist bis heute das schlimmste Aufwacherlebnis, das ich je nach einer Ohnmacht hatte. Die Schwester und Micha hatten es in meinem Gesicht gesehen. Ich hatte weit aufgerissene Augen, Panik im Gesicht. Ich sah irre aus, hatten sie gesagt. Und genau so war es auch gewesen. Nachdem ich im Bad wieder zu Bewusstsein gekommen war, hatte ich nur den Kittel der Schwester und die Fliesen gesehen. Ich kann das nicht beschreiben, aber irgendwie dachte ich, ich wäre mitten im OP-Saal in einer Irrenanstalt. Ich wusste nicht, wo ich war, wer ich war und wer die Leute (auch Micha) waren.Ich dachte echt, ich wäre eine Wahnsinnige, die zum ersten Mal seit Monaten zu Verstand kommen würde.Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis ich wieder zu Sinnen kam. Und eine ganze Ewigkeit, bis ich diesen ekelhaften Schock verdaut hatte.

Erst am 3. Tag wurde der Katheter schließlich gezogen.
Erst am dritten Tag konnte ich mal aufstehen, mich frisch machen. Und das nur unter heftigsten Schmerzen. Ich bekam weiterhin Schmerzmittel, fast durchgehend. Die Nachwehen plus Darmprobleme plus Kaiserschnittschmerzen waren eine absolut furchtbare Kombi. Ich schlief eigentlich gar nicht.
Man kann sich nicht vorstellen, dass das geht. Aber es war so. Die Schmerzen waren einfach zu krass.
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Natürlich empfingen wir dennoch Besuch. Lilli war natürlich schon am Tag der Geburt vorbeigekommen und hatte Lotte bewundert. Viel mehr Interesse hatte sie allerdings an mir. Sie vermisste mich total. Das konnte man richtig spüren.
Auch empfingen wir anderen Besuch. Aber – auch wenn ich sonst überhaupt nicht so ein Mensch bin – hätte ich mir alles etwas ruhiger gewünscht. Ich stand wegen der Schmerzen, den Schmerzmitteln und dem Schlafmangel derart neben mir, dass ich mich ohnehin auf kein normales Gespräch konzentrieren konnte.
An Tag 3 stand ich auch das erste Mal auf, um Lotte zu wickeln. Davor hatte das immer Micha getan.
Wie gekrümmt ich stehe, seht ihr auf dem nächsten Foto. Und das war nicht übertrieben. Am liebsten hätte ich mich sofort zurück ins Bett verkrochen.
An Tag 4 ging es mir immer noch genau so schrecklich.
Nach einem Kaiserschnitt sollte man (muss es aber nicht) normalerweise 5-7 Tage bleiben. Nachdem ich aber erlebt hatte, wie Lilli mich vermisste, wollte ich nach Hause. Sofort. Das durfte ich aber erst, wenn ich draußen eine Runde gegangen war.
Also schnappte ich mir das Beistellbett, nutzte es als Gehhilfe und schlurfte Schritt für Schritt durch den Flur. Mein linkes Bein konnte ich fast gar nicht anheben, das zog ich immer nur hinterher. Ohnehin war jeder Schritt ein Kampf mit mir selbst: Wille gegen Schmerzen.
Am Ende durfte ich tatsächlich nach Hause.
Dort fesselte ich mich selbst an die Couch und wurde zur Dauerstillerin.
Alles war gut so, wie es war. Und zu Hause wurden die Schmerzen schnell nebensächlicher. Dennoch musste ich etwa 7 weitere Tage 3x täglich Schmerzmittel nehmen.
Und nur mal zum Vergleich: Nach Lillis Schwangerschaft (3 Monate Bettlägerigkeit mit Wehen, Nierenkoliken, Nierenbeckenentzündungen) und Lillis Geburt (3 Tage Wehen) bin ich sofort aufgestanden und über das halbe KKH-Gelände gelaufen. Da hatte ich auch starke Schmerzen (und noch dazu eine blutige Blasenentzündung, wegen der ich kurz davor gewesen war einen Langzeitkatheter zu bekommen) gehabt und jede Schwester hatte gestaunt, was ich schon für Wege hinter mich legte.  Aber das war nichts im Vergleich zu den Schmerzen nach dem Kaiserschnitt.
An Tag 6 wollte ich raus. Zusammen mit Freunden unternahmen wir den ersten gemeinsamen Kinderwagen-Spaziergang. Aber wehe, mir wollte jemand den Kinderwagen entreißen!
Ohne den Kinderwagen als Stütze hätte ich keinen Schritt gehen können.
Ich bekam noch weitere, ganz andere Schmerzen und musste auch noch einmal ins KKH zurück. Insgesamt dauerte es ewig, wirklich ewig – bestimmt 3-4 Wochen, bis ich schmerzfrei aus der Liegeposition heraus aufstehen konnte. Und es dauerte noch mal 1-2 Wochen länger, bis ich danach ungekrümmt durch die Gegend laufen konnte.
Und, um es noch mal zu betonen: Jeder, der mich kennt, wird es bestätigen. Ich bin niemand, der keine Schmerzen aushalten kann. Ich bin echt hart im Nehmen. Das betone ich nur deshalb immer wieder, weil es vielleicht für andere, die einen Kaiserschnitt hatten, denen es danach aber gut ging, übertrieben klingen könnte.Die Schmerzen waren da. Unaushaltbar. Und wie sehr ich dennoch kämpfte, mobil zu werden, zeigen – glaube ich – die Bilder mit der gekrümmten Haltung.

Toms Kaiserschnitt war ein Spaziergang dagegen.

Nach, ich glaube, einer Woche unternahmen wir unseren ersten Strandausflug. Ende Februar. Es war saumäßig kalt und ich war bewegungsmäßig sehr eingeschränkt. Aber ich stillte bereits draußen und insgesamt waren Micha und ich wesentlich beholfener als bei Kind Nr. 1.
Ich denke, das können viele Zweifachmamas unter euch bestätigen. =)

Lotte kämpfte noch einige Zeit mit einer leichten Gelbsucht. Ansonsten ging es ihr gut. Sie nahm schnell zu und entwickelte sich prächtig. Die ersten 7-10 Tage verliefen wundervoll, wenn auch anstrengend, weil ich die Maus fast durchgehend an meiner Brust hatte und schon eien Woche nach der Geburt, trotz Kaiserschnittschmerzen, wieder allein zu Hause war. Sie schrie sehr viel, … und von einem auf den anderen Tag nahm das plötzlich Überhand. Lotte schlief kaum noch und schrie und schrie und schrie.

Diagnose: 3-Monatskoliken. Ein Schreibaby.

Aber dazu komme ich im nächsten Erfahrungspost.

***

Am Ende möchte ich noch ein kurzes Fazit niederschreiben:

Ich habe nun beides erlebt – eine natürliche Geburt und zwei Kaiserschnitte. Darum kann ich, zumindest für mich selbst, ziemlich gut beurteilen, wie sich beides anfühlt. Davor, dabei, danach.

Der Kaiserschnitt war die mit Abstand schönere Geburt. Nicht etwa, weil sie schmerzfrei war, sondern wegen der bindenden Zeit danach.

Doch die Nachwirkungen des Kaiserschnitts haben mich durch die Hölle gehen lassen. Zumindest der Kaiserschnitt bei Lotte. Die Schmerzen nach Toms Kaiserschnitt waren zwar ebenfalls heftig, aber durchaus aushaltbar. Das könnt ihr ja in Toms Geburtsbericht (inklusive Video) in Ruhe nachlesen bzw. euch anhören. =)

Doch zum Zeitpunkt von Lottes Geburt hätte ich die Schmerzen einer natürlichen Geburt 1 Mio. mal lieber in Kauf genommen (ich fand die Geburtsschmerzen sowieso nicht so schlimm) als die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt.

Dennoch: Für uns war es damals die richtige Entscheidung.

Ich bin kein Fan davon, ein Kind per Termin zu holen. Aber, wie gesagt, die natürliche Geburt hat bei mir Spuren hinterlassen. Ich habe Schmerzen bei den selbstverständlichsten Dingen. Das Ganze wird eines Tages auch noch einmal behandelt werden. Und weil wir Angst hatten, das könnte noch schlimmer werden und uns kein Arzt diese Angst nehmen konnte, hatten wir uns für den Kaiserschnitt entschieden. Und natürlich wegen der 2-minütigen Wehentätigkeit. Im Grunde genau wie bei Tom.

Fazit
 (Und damit gehe ich nur und ausschließlich auf meine Erfahrungen und meine Empfindungen ein!)

1.) Die natürliche Geburt war intensiver und man war quasi „live“ dabei. Die Schmerzen danach waren fies, aber absolut aushaltbar. Die Zeit danach sollte normalerweise schön sein, war sie bei mir aber nicht. Die Folgen der natürlichen Geburt waren und sind bis heute spürbar.

2.) Der Kaiserschnitt von Lotte war etwas zu „geplant“ und nahm dadurch Spannung und Vorfreude. Die OP selbst war unpersönlich, steril und passiv, dafür aber schmerzfrei. Außerdem wurde ich von den Ärzten und Schwestern sehr liebevoll begleitet. Die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt waren unfassbar stark. Kaum aushaltbar. Die Folgen eines Kaiserschnitts sind eine Narbe, die in meinem Fall schon fast nicht mehr sichtbar und auch nicht taub oder sonst was ist.  Und das trotz mittlerweile zwei Kaiserschnitten.

***

Wer von euch hat auch einen Kaiserschnitt hinter sich? Wie war er für euch? Wie waren eure Schmerzen danach?
Wer von euch kann ebenfalls Vergleiche ziehen, weil schon beide Arten der Geburt erlebt worden sind? Wenn jemand dabei ist, der schon beides erlebt hat, welche Geburt/Zeit danach war für euch einfacher, schöner, schmerzfreier?

Ich danke euch für eure Geduld, eure Zeit und euer Interesse.

Wer das Ganze gern noch mal in „erzählter Form“ sehen und hören möchte: Ich habe soeben ein Video über die zweite Kinderwunschzeit, die zweite Schwangerschaft, Lottes Geburt und die Zeit danach hochgeladen.

Und auch noch mal zum Schluss. Toms Kaiserschnitt war kein Vergleich zu diesem. Da sieht man mal, wie unterschiedlich solche Dinge verlaufen können.

Danke fürs Lesen!

Alles Liebe, eure Mari