Heute habe ich wieder einen neuen Erfahrungspost für euch. Dieses Mal schreibe ich über meine Erfahrung mit den 3-Monats-Koliken.
Lotte hatte sie nämlich, diese Baby-Koliken.
Ob es nun wirklich drei Monate waren, weiß ich nicht mehr.
Die meisten Erinnerungen aus dieser Zeit habe ich wohl verdrängt. Zumindest emotional. Vom Kopf her weiß ich noch ganz genau, wie hart diese Zeit gewesen ist. Und genau darüber möchte ich heute schreiben.
Lotte kam per Kaiserschnitt auf die Welt. Ob man die Koliken nun daran festmachen kann oder will, bezweifle ich. Es gibt so viele kleine Mäuse, die sich mit Bauchschmerzen quälen. Die Hälfte von ihnen kam natürlich zur Welt, die andere per Kaiserschnitt.
Lotte jedenfalls war schon wenige Stunden nach ihrer Geburt unzufriedener als die meisten Babys.
Sie schlief nicht stundenlang, um sich von der Geburt zu erholen. Im Gegenteil. Sie war sehr wach, erkundete die Welt und forderte uns vom ersten Tag an. Mit dem richtigen Schreien begann sie allerdings erst einige Tage später.
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Nach 4 Tagen Krankenhaus entließ ich uns nach Hause. Ich bin einfach ungern im Krankenhaus. Deshalb wollte ich auch Heim, kaum dass ich einigermaßen unter den Kaiserschnittschmerzen laufen konnte.
Zu Hause war Lotte ebenfalls mehr wach, als dass sie schlief. Meist wollte sie gestillt werden. Ich war aber schon von einer Stillberaterin und einer Hebamme vorgewarnt worden, dass die erste Stillzeit sehr anstrengend sein könnte. Denn ich hatte ja – wie ihr wisst – kaum Stillerfahrungen, weil Lilli ein Flaschenkind gewesen ist.
Darum nahm ich Lottes Laune erst mal so hin und legte sie an, wann immer sie Durst/Hunger hatte.
Ich weiß noch, dass diese erste Zeit unglaublich anstrengend war. Ich kam mir schon fast vor wie eine Melkmaschine. Alles, was ich den ganzen Tag und die ganze Nacht lang tat, war, Lotte zu stillen.
Ich selbst kam weder zum Essen noch zum Duschen. Eigentlich kam ich zu nichts mehr.
Lotte klebte an mir wie ein Magnet. Entweder auf der Brust oder auf meinem Arm.
An manchen Tagen war ich so genervt, dass ich das ganze Stillen schmeißen wollte. Ich gab dem Stillen die Schuld daran, dass Lotte so viel schrie. Ich glaubte, sie würde nicht satt werden.
Als Lotte dann etwa 1,5 Wochen alt war, ging es richtig los.
Sie schrie und schrie und schrie.
Sie schrie so fürchterlich, dass man völlig überfordert mit der Situation war.
Wir rannten zum Arzt, wir baten Hebammen um Rat. Und schnell war klar, dass Lotte Bauchschmerzen hatte. Sie hatte die 3-Monats-Koliken und entwickelte sich dadurch zu einem richtigen Schreibaby.
Was wir nicht alles versuchten, um Lotte zu helfen. Wir badeten mit ihr, wir massierten sie. Ich stellte meine Ernährung um, wir gaben ihr Homöpathisches gegen Bauchschmerzen. Wir baten ihr den Schnuller und ja, … eines Abends sogar Milch aus der Flasche an.
Und dann kam es sogar so, dass ich meine Schwägerin bat, uns deren elektrische Babywippe auszuleihen.
Mädels, ich stehe echt nicht auf so was! Aber deren Kind hatte auch die Koliken und ist mit dieser Wippe immer ruhiger geworden.
Nun ja, bei Lotte funktionierte das irgendwie nicht.
Immer wieder glaubte ich, dass das Stillen Schuld an dem vielen Schreien wäre. Deswegen bat ich Lotte sogar die Flasche an. Aber daran nippte sie nur und konnte absolut nichts damit anfangen. Genauso wenig mit einem Schnuller, der immer nur wenige Minuten in ihrem Mund verblieb.
Sie schrie wirklich die ganze Zeit.
Wer so etwas noch nicht erlebt hat, kann sich das absolut nicht vorstellen.
Natürlich gibt es keine Fotos davon. Deswegen werdet ihr in diesem Post nur Fotos von einer ruhigen Lotte finden. Aber wer holt schon die Kamera raus, wenn das eigene Baby einen gerade bis an den Rande der Verzweiflung schreit?
Lotte schrie auf dem Arm, sie schrie im Bett. Sie schrie im Auto, sie schrie im Kinderwagen.
Nur im Bondolino – darin schrie sie nicht.
Beim Autofahren quetschte ich mich nach hinten zwischen die beiden Kindersitze. Einfach, um Lotte ein bisschen abzulenken. Jede Autofahrt war ohnehin schon Tortur genug.
Lotte schrie 22 von 24 Stunden am Tag.
 Eigentlich schlief sie fast gar nicht. Sie döste nur immer mal kurz. Und das tat sie nur im Bondolino.
Ihr Schreien schränkte uns regelrecht ein. Treffen mit Krabbelgruppen waren nicht möglich, Treffen mit Freunden nur eingeschränkt oder unter viel Gebrüll. Ausflüge mussten möglichst kurz gehalten werden, der eigene Schlaf wurde gänzlich hinten angestellt. Einsamkeit und Zweisamkeit gab es keine mehr. Und entpsannte Zeit für Lilli nur selten.
Lilli kann sich heute zum Glück nicht mehr an das alles erinnern. Aber während dieser Zeit hat sie sehr gelitten. Sie konnte nur schlecht schlafen, weil Lotte die ganze Wohnung zusammenschrie. Und sie hielt sich den halben Tag lang die Ohren zu.
Weil Lotte vor allem beim gemeinsamen Essen durchgehend schrie, zog ich mich völlig von den drei Mahlzeiten zurück und verkroch mich ins Wohnzimmer. Dort versuchte ich Lotte immer zu beruhigen, damit Micha und vor allem Lilli in Ruhe essen konnten.
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An manchen Tagen, an denen Lotte im Bondolino bei Micha schlief, ging es mir ganz gut. Ich blühte dann richtig auf, wenn ich endlich wieder etwas Zeit mit Lilli verbringen konnte.
Aber die meiste Zeit war katastrophal. 
Micha hatte zu jenem Zeitpunkt gerade mit seinem Job im Büro angefangen. Und ich war zu Hause und musste auch noch Lilli im Kindergarten eingewöhnen.
Mit der schreienden Lotte scheiterte Letzteres natürlich.
Schließlich musste Micha sich doch freinehmen und die Eingewöhnung übernehmen.
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Als Lilli dann gut eingewöhnt war, blieb ich allein mit Lotte zu Hause.
Und ich sage euch: Ich hielt es kaum aus.
Ich dachte, ich würde verrückt werden. Ich brodelte innerlich, wenn ich nur mal kurz duschen wollte bzw. musste oder die Wäsche aufhängen wollte und sofort das Gebrüll losging, wenn ich Lotte kurz ablegte.
Den ganzen Tag hatte ich ihr Schreien im Kopf. Mal nahm ich es mehr wahr, mal weniger.
Ich drehte fast durch.
Sie war wirklich immer bei mir. Auf dem Arm, auf der Schulter, an der Brust. Manchmal schrie sie dann trotzdem, aber meist beruhigte sie sich auf meinem Arm. Aber sobald ich sie ablegte, ging es los. Aber so richtig. Sie schrie sich knallrot und schwitzig.
In vielen Momenten war ich wirklich froh, einen gesunden Menschenverstand zu besitzen. Denn – auch wenn man sich das heute absolut nicht mehr vorstellen kann – wäre es manchmal fast mit einem durchgegangen. Und da bin ich nicht die einzige, die so offen drüber spricht.
Man stelle sich wirklich wochenlanges, … nein, monatelanges Gebrüll vor und dazu den Schlafmangel, der so massiv war, dass man wirklich nur noch ein Schatten seiner selbst war. Und dann sah man auch noch ständig all die Dinge im Haushalt, die erledigt werden mussten. Manchmal wurde es einem zu viel.
Ich nutzte dann immer den Rat, den man u.a. in Schreiambulanzen bekommt: Das Kind ablegen und schreien lassen. Dann kurz den Raum verlassen und irgendwo hinsetzen. Und dann tief durchatmen. Einmal, zweimal, dreimal.
Danach ging es meistens wieder. Es half wirklich viel, das Baby in solch einer Extremsituation zumindest für wenige Minuten oder Sekunden sich selbst zu überlassen.
Lotte forderte uns wirklich 24/7. Sie schlief nur im Bondolino ein … oder ganz selten und nach viel Kampf mal für ein Weilchen auf dem Schoß oder an der Brust. Ansonsten war sie ständig wach und selbst chronisch übermüdet.
Aber sie fand einfach nicht in einen ausgiebigen Schlaf. Egal was man versuchte.
Ich kann heute wirklich nicht mehr sagen, wann das extreme Schreien aufhörte.
Ich weiß nur noch, dass es ganz plötzlich aufhörte.
Lotte wurde von einem auf den anderen Tag ruhiger. Sie schlief dann noch immer schlecht, schrie aber kaum noch.  Und auch der Stillrhythmus pendelte sich in längere, regelmäßigere Abstände.
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Sie schlief viele weitere Monate (abends) nur bei uns im Wohnzimmer auf der Couch. Und wir ließen das zu. Ganz einfach aus dem Grund, dass wir völlig erschöpft waren und uns über jeden Moment freuten, in dem Lotte schlief.
Da ist es einem dann egal, wann und wo und wie. Hauptsache, das Kind schläft.
Die 3-Monats-Koliken waren eine der heftigsten Erfahrungen, die ich während meinem Mama-Dasein durchgemacht habe. Es war eine Zeit, die mich als Mama an meine Grenzen brachte, … die Micha und meine Beziehung auf die Probe stellte, … die es Lilli als frisch gebackene große Schwester sehr schwer machte.
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Wie gesagt, ich kann mich emotional kaum noch daran erinnern. Das Ganze ist mittlerweile so verblasst, dass ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen kann, dass es diese Zeit wirklich gegeben hat.
Nur vom Kopf her weiß ich es.
Ich werde wirklich nie vergessen, wie hart diese Zeit gewesen ist.
Dennoch: Die Zeit ging vorüber. Und aus heutiger Sicht ist sie unbedeutend und nichtig.
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Übrigens: Der Beziehung zwischen Lotte und mir oder zwischen Lotte und Micha hat das Geschreie überhaupt nicht geschadet. Man könnte ja meinen, dass das alles zu Depressionen geführt oder dem Aufbau der wichtigen Bindung während der ersten Wochen geschadet haben könnte. Aber das hat es nicht. Man hat Lotte in jedem einzelnen Moment geliebt. Natürlich gab es diese Wut-Momente, von denen ich oben schrieb. Momente, in denen ich den Raum verlassen musste. Aber das hatte nichts mit mangelnder Bindung oder mangelnder Liebe zu Lotte zu tun. Das waren einfach Minuten, in denen der Akku einmal kurz geladen werden musste.
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Nun bin ich gespannt, ob jemandem von euch unsere Geschichte bekannt vorkommt.
Wer hat Ähnliches erlebt?
Gibt es unter euch Mamas und/oder Papas, die sich ebenfalls durch die
berühmt-berüchtigten 3-Monats-Koliken quälen mussten?
Ich bin wirklich gespannt auf eure Erfahrungen zu diesem Thema. Einfach darauf, wie diese Zeit für euch gewesen ist und wie ihr heute auf sie zurückblickt.
Alles Liebe, eure Mari