Jeden Tag sind Micha und ich aufs Neue dafür dankbar, dass wir drei wunderbare, gesunde Kinder haben. Lilli, Lotte und Tom sind gefühlt schon so groß, man kann ihnen förmlich beim Wachsen zuschauen. Trotzdem fühlt es sich zwischendurch immer wieder so an, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich mit Geburtswehen im Krankenhaus lag.

Während Lilli nach einer sehr komplizierten Schwangerschaft ein wenig zu früh auf natürlichem Wege auf die Welt kam, so wurden Lotte und Tom per Kaiserschnitt entbunden. Über die drei Geburten habe ich zwar bereits ausführlich berichtet, jedoch habe ich dabei mehr von den Vorgeschichten und dem ganzen Drumherum erzählt.

Wer an dieser Stelle zunächst die ursprünglichen Berichte noch einmal lesen oder ansehen möchte, möge bitte diesen Links folgen:

Ansonsten möchte ich mich in diesem neuen Post ausschließlich dem Thema „Kaiserschnitt“ widmen. Und zwar nicht nur im sachlichen Sinne.

Bei den beiden Geburten via Kaiserschnitt habe ich meine ganz persönlichen Erfahrungen gesammelt. An eben diesen Erlebnissen möchte ich euch gerne teilhaben lassen und ich bin sehr gespannt, ob ihr meine Praxis-Erfahrungen unterstreichen könnt oder ob es bei euch, von der reinen Operation abgesehen, gänzlich anders ablief.

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Was ist überhaupt ein Kaiserschnitt?

Ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea oder kurz Sectio) ist ein Geburtsverfahren, bei dem das Baby durch einen operativen Eingriff (Schnitt durch Bauchdecke und Gebärmutter) entbunden wird. Er unterteilt sich in geplant, ungeplant und „auf Wunsch“ und unterscheidet sich zudem in primär und sekundär. Letzteres tritt ein, wenn nach begonnener, vaginaler Geburt auf eine Sectio umgestellt werden muss (z.B. wegen abfallender Herztöne des Ungeborenen oder anderen plötzlich auftretenden Komplikationen).

Während gewisse medizinische Indikationen einen geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt eindeutig rechtfertigen (z.B. verlängerter Geburtsverlauf oder Bakterien in der Fruchthöhle), stellt die Wunsch-Sectio eine Sonderform dar, die sehr gut abgeklärt und durchdacht sein sollte. Viele Eltern entscheiden sich hierfür, um z.B. den Termin genau planen zu können oder weil die werdende Mama Angst vor einer natürlichen Geburt hat. 

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So war es nämlich auch bei mir. Lillis Geburt war kein Zuckerschlecken, die Folge- und Spätschäden erst recht nicht. Für mich stand es daher außer Frage, dass Lotte und später auch Tom per Kaiserschnitt geholt würden. Eine medizinische Notwendigkeit war bedingt vorhanden, die Ärzte hatten aufgrund meiner Vorgeschichte und meiner bis heute schmerzhaften Schäden in Folge der natürlichen Geburt aber letztlich Verständnis, obgleich man lange versucht hat, mich zu einer natürlichen Geburt zu bewegen. Aber ich blieb bei meiner Entscheidung und so wurde Lotte bei SSW 38+0 geplant und Tom bei SSW 36+0 spontan per Sectio auf die Welt gebracht.

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Wie läuft die Kaiserschnitt-Operation ab?

Diesen Part könnte ich sachlich und theoretisch verfassen. Da die Praxis zwar auch mit der Theorie übereinstimmt, aber dennoch auf eine sehr skurrile Art abläuft, möchte ich diesen Absatz gerne mit einer Prise Humor und Sarkasmus versehen. Denn das Folgende habe ich wirklich genau so erlebt und empfunden – bei beiden Kaiserschnitten.

Zunächst einmal wird man für die Operation vorbereitet. Dazu darf man sich ein wunderschönes, mint-grünes, hinten offenes OP-Hemd anziehen, während man im Intimbereich unbekleidet bleibt. On top gibt es die obligatorische OP-Haube, die aus hygienischen Gründen die Haare verdecken soll. In der Zwischenzeit darf sich der Partner, wenn er der Geburt beiwohnen möchte, übrigens genauso modisch kleiden.

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Als nächstes kontrollieren Arzt, Hebamme oder Schwester den zu operierenden Bereich und führen, wenn es unglücklich läuft, eine kleine Diskussion darüber, ob die 1-2 mm Haarlänge im Intimbereich für die OP akzeptabel sind oder ob eine weitere Rasur erfolgen soll.

An dieser Stelle merke ich mal vorsichtig an, dass man als werdende Mutter mit vielleicht starken Wehen wirklich denkt, man sei im falschen Film. Denn Ängste vor der OP und der Geburt sowie Aufregung und Sorgen stehen in diesem Moment im Vordergrund. Mit anderen Worten: Man ist völlig neben der Spur und könnte gut etwas Rücksichtnahme, Taktgefühl und Empathie gebrauchen. Aber so läuft das leider nicht und man hat keine andere Wahl, als sich seinem Schicksal zu ergeben.

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Nun ja, wenn die finale Haarlänge dann für in Ordnung befunden wurde, geht es weiter in den OP-Saal. Und nun ist der Moment gekommen, in dem man denkt, man landet als Fremdkörper in einem Haufen Ameisen. Gefühlt rennen dort etwa 50 vermummte Leute herum, die alle etwas anderes an einem machen. Die meisten stellen sich wirklich lieb und freundlich vor mit „Hey, wir kennen uns doch!“ oder „Ich bin die OP-Schwester!“, während sie einem an gefühlt allen freien Stellen des Körpers irgendwas anstöpseln.

Die Höflichkeit in allen Ehren, aber wenn jeder Maske und Kittel trägt, weiß man weder, wer sich hinter „Wir kennen uns doch!“ verbirgt, noch behält man den Überblick bei dem ganzen Gewusel und ist erst recht nicht erfreut über nette Worte einer Person, die einem gleichzeitig zwei Zugänge in die Arme legt.

Dennoch kann ich im Nachhinein sagen, dass ich nicht nur 100%ig sicher war, dass jeder dort genau wusste, was er tat, sondern die Menschen im OP auch wirklich allesamt sehr freundlich und einfühlsam waren.

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Nachdem die Zugänge gelegt und die nötigen Geräte angeschlossen waren, bat man mich, meinen Rücken rund zu machen, indem ich mich so weit nach vorne beugen sollte, wie ich konnte. Erst dann zeigte man mir die Nadel für die Periduralanästhesie (kurz: PDA), also die lokale Narkose (Anmerkung: Die Alternative zur PDA ist die Spinalanästhesie oder eine Vollnarkose. Letztere wird nur im Notfall eingesetzt, da das Narkosemittel über die Placenta in den Kreislauf des Ungeborenen geraten kann).

Hätte ich diese Nadel vorher gesehen, wäre ich vermutlich in Ohnmacht gefallen, denn sie sah so lang aus, als käme sie nach dem Einstich direkt vorn aus meinem Bauch wieder heraus. Vermutlich hat meine Aufregung sie größer wirken lassen, als sie es tatsächlich war, aber ich rechnete auf jeden Fall mit einem schlimmen Schmerz. Doch erstaunlicherweise blieb dieser aus. Es war unangenehm und drückte ziemlich, aber war, in Anbetracht der Länge der Nadel, wirklich überhaupt nicht schlimm.

Anschließend wurde etwas gewartet und dann bat man mich, mich auf den Rücken zu legen und die Beine zu spreizen und anzuwinkeln. Sehr witzig! Bauchabwärts habe ich nichts, rein gar nichts mehr gespürt und meine Versuche, mich hinzulegen, müssen ziemlich amüsant ausgesehen haben. Man half mir also, mich in die vorgesehene Position zu bringen, denn allein war dies in jenem Moment schlichtweg unmöglich.

Die nächsten Schritte wurden mir von der Anästhesistin, die nicht eine Sekunde von meiner Seite wich, erklärt. Zunächst spannte man aus hygienischen Gründen ein OP-Tuch zwischen meinen Kopf und meinen Bauch. Der OP-Bereich wurde desinfiziert, die Stellen drum herum mit sterilen Tüchern abgedeckt. Danach legte man mir einen Blasenkatheter. Und dann ging es los: Der operierende Oberarzt setzte einen ca. 10 cm langen Schnitt quer am Unterbauch, bei mir erfolgreich direkt an der „Bikini-Falte“ (Der sauber gesetzte Schnitt sorgt dafür, dass man die Narbe später kaum oder gar nicht mehr sieht). Daraufhin fühlte es sich kurz an, als würde jemand in meinen Eingeweiden rödeln, was, wie ich nebenbei erfuhr, daran lag, dass der Arzt die Harnblase zur Seite schob und die Gebärmutter öffnete und dehnte. Es drückte und rüttelte und dann hörte ich einen Baby-Schrei. Hinter meinem „Vorhang“ durchtrennte man die Nabelschnur, entfernte die Plazenta und nähte mich dann schichtweise mit selbstauflösenden Fäden wieder zu.

Micha war übrigens zwischenzeitlich in den OP gelassen worden, war also dabei, als Lotte (und auch später Tom) zur Welt kam. Noch während man mich nähte, legte man mir meine kleine, süße, aber sehr zerknautschte Lotte in die Arme. Micha und ich waren einfach nur überwältigt.

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Leider gab es dann bei mir Komplikationen, was innerhalb eines solchen Eingriffs nicht ungewöhnlich ist. Es gibt Frauen, die müssen sich von dem Narkosemittel übergeben, andere verlieren Sauerstoff und kollabieren. Letzteres ist mir passiert. Aber die 50 Ameisen reagierten sofort. Man half mir schnell und gezielt, sodass ich Lotte, die ich aufgrund des Kollaps übergangsweise abgeben musste, schnell wieder in meine Arme schließen konnte.

Der ganze Eingriff dauerte nur etwa 25 Minuten. Eine durchschnittliche, unkomplizierte Sectio liegt in der Regel tatsächlich bei nur 15-30 Minuten, zuzüglich etwa 30 Minuten Vorbereitung.

Wahnsinn, wie schnell so etwas geht!

Ein Highlight während der Operation waren übrigens der Oberarzt und dessen OP-Assistenz. Erstaunlich, was man trotz der Umstände so alles mitschneidet. Aber die beiden unterhielten sich doch wirklich über ihre Kinder und darüber, was der jeweils andere am Wochenende denn so vor hätte. Dabei wurde gelacht und ein Ton angewandt, bei dem ich dachte, ich sitze einfach nur im Büro, während zwei Kollegen sich über den Alltag unterhalten. Aus heutiger Sicht kann ich darüber nur schmunzeln und verstehe es. Es ist ein Job wie jeder andere auch. Absolut verständlich, dass man dabei über banale Dinge redet. Doch in jenem Moment dachte ich wirklich, nur ich verstünde den „Ernst der Lage“.

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Die Zeit nach der Kaiserschnitt-Operation

Zunächst wurde ich, erst noch ohne Kind, in den Aufwachraum geschoben. Nachdem ich mein neuestes, modisches Accessoire, eine Netzunterhose, getränkt mit Desinfektionsmittel, begutachtet hatte, stelle ich sofort klar, dass ich meine Lotte bei mir haben wollte und wies noch einmal auf die komplizierte Vorgeschichte und mein postnatales Trauma mit Lilli hin. Das wirklich liebe Team kam meinem Wunsch schnell nach und brachte mich daraufhin zu Micha und meiner kleinen Lotte, die in diesem Augenblick auf Michas Brust ruhte. Eine sehr fürsorgliche Hebamme half mir anschließend bei den ersten Stillversuchen, welche auch sofort Erfolg hatten.

An dieser Stelle möchte ich jeder frischgebackenen Mutter eines raten: Lasst euch direkt nach der Geburt niemals von eurem Kind trennen, wenn es nicht absolut notwendig ist! Besonders nach einem Kaiserschnitt ist es extrem wichtig, dass ihr euer Kleines so schnell wie möglich bei euch habt!

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Zunächst schwebten Micha und ich, inzwischen in ein Familienzimmer verlegt, auf Wolke 7. Doch dann ließ die Betäubung nach und zudem hängte man mich an einen Wehentropf – ein ganz normaler Ablauf nach einer Sectio, da die Gebärmutter sich sonst nicht ordnungsgemäß zurückbildet.

Dass eine solche Bauchoperation nicht schmerzfrei bleiben würde, war mir durchaus bewusst. Dass es so werden würde, habe ich aber niemals kommen sehen. Auf einer Skala von 1-10 war das eine klare 15, ganz besonders unter Zugabe des Wehentropfes. Kein Schmerzmittel half und aus heutiger Sicht kann ich Frauen verstehen, die mir erzählen, sie hätten sich Morphium verabreichen lassen. Und abgesehen von dem Wehentropf sorgte Lottes Saugen an meiner Brust für zusätzliche Kontraktionen (Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter!). 

Die Schmerzen war kaum auszuhalten! Um Blutgerinnsel zu vermeiden und die Darmtätigkeit anzuregen, sollte ich nach einigen Stunden das erste Mal aufstehen. Außerdem kann, je schneller man wieder auf den Beinen ist, der Katheter gezogen werden, der ein hohes Infektionsrisiko birgt.

Glaubt mir, ich wollte aufstehen. Wirklich! Aber von den Schmerzen mal ab, mein Körper wollte einfach nicht. Jeder Versuch endete in einer Ohnmacht. Es ging partout nicht! Die Ärzte erklärten mir, dass die lange Bettlägerigkeit und die lange Wehenzeit Schuld daran wären, dass mein Körper einfach etwas länger brauchte. Tatsächlich benötigte ich drei Tage, bis ich soweit war, dass der Katheter gezogen werden konnte. 

Normalerweise werden nach einem Kaiserschnitt 4-7 Tage Krankenhausaufenthalt empfohlen. Mein körperlicher Zustand hätte vermutlich eher 8-10 gebraucht. Aber ich vermisste Lilli und wusste, dass Lilli mich vermisste. Also riss ich mich zusammen und leistete den ärztlichen Anweisungen unter schlimmsten Schmerzen Folge, um an Tag 4 nach Hause zu dürfen.

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Duschen darf man übrigens frühestens nach 3 Tagen und das auch nur sehr vorsichtig, die Narbe darf nicht feucht werden. Wer also die Zeit und Möglichkeit hat, noch vor der OP zu duschen, sollte dies dringend tun.

Nach 8-12 Tagen ist die Narbe dann soweit verheilt, dass ihr Wasser nichts mehr ausmacht. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Narbencreme empfehlenswert, welche nicht nur den weiteren Heilungsprozess unterstützt, sondern auch dafür sorgen kann, dass die Narbe später nicht so auffällig wird.

Meine Schmerzen hielten übrigens noch etwa 3-4 Wochen an, wobei sie in der Zeit langsam weniger wurden. Dennoch dauerte es weitere 1-2 Wochen, bis ich nicht mehr gekrümmt, sondern aufrecht durch die Welt gehen konnte.

Rückbildung war meine nächste Aufgabe, denn diese sollte auch nach einem Kaiserschnitt erfolgen. Während man nach einer natürlichen Geburt recht schnell mit einem Rückbildungskurs anfangen kann, sollte man nach einer Sectio etwas länger warten. Am besten wendet man sich an die/den Frauenärztin/-arzt und/oder die Nachsorge-Hebamme, um auf der sicheren Seite zu sein, wann man den Kurs starten darf.

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Risiken eines Kaiserschnitts

Der Kaiserschnitt ist und bleibt ein operativer Eingriff und birgt natürlich gewisse Risiken für Mutter und Kind. Über diese wurde ich vor Lottes und Toms Geburt eingehend aufgeklärt und möchte sie euch daher gern mitteilen.

Zu den akuten Risiken gehören: Blutverlust, Blutgerinnsel, Infektionen aller Art, Verletzungen benachbarter Organe, innere Blutungen, Wundheilungsstörungen, Narkosekomplikationen

Zu langfristigen Risiken oder Folgeschäden gehören: Nervenreizungen (Schmerzen, Kribbeln, Taubheit), (schmerzhafte) Verwachsungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Bindungsstörungen

Und beim Kind: Anpassungsstörungen, Atemprobleme, Verletzungen, Bindungsstörungen, erhöhte Infektionsanfälligkeit (Kind kommt nicht mit der natürlichen Bakterienflora der Mutter in Kontakt)

Wir haben uns trotzdem für einen Kaiserschnitt entschieden. Zweimal. Von den oben erwähnten Risiken trat bei mir nur der Sauerstoffabfall als Komplikation auf. Und trotz zweier Kaiserschnitte habe ich bis heute keine Probleme mit der Narbe und man sieht diese wirklich kaum noch.

Toms Geburt war schmerztechnisch gesehen ein Spaziergang gegenüber Lottes Geburt (auch wenn der komplette OP-Verlauf inklusive Ameisenhaufen & Co genauso ablief). Lottes Geburt war unpersönlich, zu geplant und steril – von den Schmerzen ganz abgesehen. Jedoch war Lottes Geburt, rein psychisch betrachtet, gegenüber Lillis Geburt bzw. der Zeit danach, die richtige Entscheidung.

Es ist tatsächlich kaum möglich, die einzelnen Geburten miteinander zu vergleichen. Denn selbst ein Routine-Eingriff wie eine Geburt – ganz gleich ob auf natürlichem Wege oder per Kaiserschnitt – kann, von der eigentlichen Routine mal ab, im Nachgang völlig unterschiedlich sein.

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Wer von euch hat auch einen oder mehrere Kaiserschnitt(e) hinter sich? Wie war das bei euch? Habt ihr ähnliche Erfahrungen wie ich? Hättet ihr im Nachhinein etwas anders gemacht?  

Ich freue mich auf eure Kommentare und bin gespannt auf eure Erfahrungen und Erzählungen!

Alles Liebe,

eure Mari =)